Das Buch des Woodstocks

Vorsichtig nahm Johannes den Messingschlüssel und schob ihn in das Schlüsselloch der Massiven Tür. Er passte. Sein Meister trug ihm auf, seinen Schreibtisch auf zu räumen, sollte er längere Zeit nicht wieder kommen. Es war Routine für Johannes. Auf dem alten Tisch, welcher aussah, als hätte er bereits Jahrhunderte durch gemacht und würde das auch noch weiter tun War ein Stapel eingestaubter Papiere und Bücher, mit Spinnengeweben übersetzt. Ewig war kein Mensch mehr hier drinnen.

Behutsam zog Johannes ein par Steine neben einem Glaskasten zur Seite, unter denen eine Kiste zum Vorschein kam. Er warf die Truhe auf. Er nahm den Stapel Buch für Buch, wie es sein Meister befahl, nicht ohne erst einmal einen kräftigen Luftstoß über ihn zu pusten, sodass Staub und Weben auf dem Boden lägen. Die Bücher, welche meist in Leder eingebunden waren lagen nun in vollster Pracht auf dem alten Tisch. Nur manche Bücher waren nur zusammengenietete Blätterhaufen ohne Einband und ohne Titel, lediglich ein leeres Blatt auf der Spitze und am Ende. Johannes wusste, dass er mit diesen bereits knickversehenen Ungetümen behutsam seien musste, das diese teilweise noch aus alter Zeit stammen.

Ein Buch nach dem anderen landet vorsichtig in die Kiste. Es lagen nun nur noch zwei Bücher auf dem lederüberzogenen Tisch zusammen mit einer Metalltasse gefüllt mit einem teeartigen Getränk, das sein Meister William gerne trank. Das eine Buch, in geschwärzten Wolfsleder eingebunden und so dick, wie die Mauern des Hauses selbst, welches zwar gülden verziert war, aber keinerlei Titel hatte, musste in die knarzende Schublade des Schreibtisches. Das andere Buch durfte auf dem Tisch liegen bleiben. Es handelte sich dabei um eine komplett in Gold verzierte Bibel.

Mit einem lauten Knarzen gab die Schreibtischschublade ihre staubgefüllte Leere preis, in die Johannes ächzend das Buch legte. Man hörte es noch mehr knarze bis letztendlich der Boden der Schublade durchbrach, unter der Last des mehrere dutzende Pfund schweren Buches. Johannes hatte nur auf diesen Moment gewartet. Es war wie ein „Sehet Sire, was habe ich ihnen gesagtet. Das Buch sei zu schwer!“ Moment für den jungen Mann, wäre sein Meister doch da. Die erste Seite des Buches war aufgeschlagen. Johannes sah die in Handschrift Williams geschriebenen Worte „Complexia ratio - The conclusion of kn…“ Erst jetzt merkte er, dass er den Tee oder was auch immer diese schwarz-braune Flüssigkeit sei umgestoßen hatte, und sie begonn auf das Buch zu tropfen. Schnell hob Johannes das Buch auf und nahm sein Gewand um die Flüssigkeit aufzusaugen.

Nach dem es getrocknet war, begann Johannes ein wenig in dem Buch zu lesen. Bereits am Anfang merkte er, dass dieses Buch zu gefährlich und mächtig war, als dass es irgend ein anderer als William, womöglich noch nicht mal Lionel sehen durften. Auch wusste er, dass der Inhalt seinen Meister William wohl den Kopf kosten würde oder schlimmeres… Er nahm das Buch und legte es in die Kiste zu all den anderen und baute die Kiste wieder zu. Genau in dem Moment kam Markus herein, welcher ebenfalls auf dem Hof „Little Princeton“ lebte. Ohne Johannes zu bemerken ging er die Treppe hinauf. Als er oben war, schkoss er die Tür und drehte wollte abschließen den Messingschlüssel aus dem Loch ziehen, doch er war nicht mehr da. Seit dem geschahen nur noch seltsame Dinge auf dem Hof, wo auch immer Johannes hin trat.

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Lionel = @Medicus28
Markus = @lord8florian