Isander von Bern, der vergessene Held

Der Knabe im Gewand des Novizen blickte den weißhaarigen Priester wissbegierig an.
Gottfried bemerkte diesen Blick sehr wohl und sah auf von seiner Schrift, welche er gerade anfertigte. Lange Momente besahen sie so einander, bis endlich der alte Mönch die Stille der kleinen Kammer mit seiner leisen, etwas zittrigen Stimme vergehen lies.

"Du willst Wissen, was es mit der Ritterstatur im See auf sich hat ", nachdenklich schien er bei den wenigen Worten und eifrig nickte der Knabe im einfachen, braunen Jutegewand, wie es alle Novizen trugen.
„So sei es, mein Sohn. Setz dich und lausche. Du sollst hören von der Belagerung, dem Kampf und dem Vergessen welches diese Statur bekundet“, prophezeite der Alte.

Aufregung erfüllte das Innere des Jungen, denn lange schon hatte er den Mönch, um eben jenes Wissen bekniet und nun stand er kurz davor es zu erhalten.
Folgsam lies er sich nieder und lauschte der charismatischen Erzählerstimme des Alten, welche die alte Zeit vor dem geistigen Auge des Knaben wieder aufleben ließ.

„Waffengeklirre, Schreie, Stöhnen und dumpfe Schläge auf Schilde. Dazwischen die zischenden Laute, die die Feuerbälle in der Luft hinterließen, wenn sie unfehlbar ihren Opfern trafen.“
Der Mönch war wahrlich Meister der Erzählkunst und der Novize schloss die Augen, sah all dies vor sich, was Gottfried preisgab.

„ Eine riesige Orkarmee landete mit ihren düsteren mit Totenköpfen geschmückten Langbooten in der Bucht Lohengrin. Nur dem schnellen handeln der Stadtwache war es zu verdanken, das ein Großteil der Bevölkerung Lohengrins sich in die alte Söldnerfestung retten konnte.
Schnell hatten die Orks einen Belagerungsring um die Burg gezogen und ihre Dutzenden Lagerfeuer verschmolzen in der Nacht mit dem brennenden Ort Lohengrin zu einer Sinfonie aus berstendem Holz und dem Klagelaut der verbrennenden Tiere in ihren Stallungen.
Die Belagerten waren in einer trügerischen Sicherheit, denn durch die überhastete Flucht in die Burg, waren Wasser, Brot und selbst das Brennholz Mangelware.
Es wären nicht die Orks, die ihnen den Todesstoß versetzen würden, nein sie würden an Hunger und Seuchen zugrunde gehen.Mit jedem Tag der vorüberzog, schwanden die Hoffnungen der Belagerten.

Die Kunde über das Schicksal Lohengrins blieb nicht unerhört und Städte wie Wolfswacht oder Lamondin zogen Truppen zusammen um den Belagerten zu Hilfe zu Eilen, selbst die Orks aus Taakur Cerar rüsteten sich um gegen ihre Artgenossen zu kämpfen.
Doch würden die Vorbereitungen und langen Märsche der Armeen Zeit kosten und Zeit war eins der Güter, die Lohengrin nicht hatte.Es konnte nur noch ein Wunder helfen und dieses Wunder, wenn man es so nennen möchte erschien in der Form des Ritters Isander von Bern und dies ist seine Geschichte.“

„ Die beiden Späher auf abgehetzten Pferden über und über mit Dreck bespritzt, stießen zu Isanders erschöpften Reiterschaft, bestehend aus ein paar Dutzend Berittener und fünf Kutschen beladen mit Wasser und Proviant für die Eingeschlossenen.Jenseits der Wipfel eines Waldes aus Birken und Eichen und hinter den Mauern der Söldnerfestung war Rauch zu sehen, ein gutes Zeichen, sie waren noch nicht zu spät.Die Späher scharten sich um Isander, einer rief stockend „ Die Wege sind voll von Orks , nur die schmalen Waldwege sind weniger bewacht und enden kurz vor den Mauern der Burg. Aber es ist Wahnsinn sie mit den Kutschen befahren zu wollen „

Isander zog das Kinnband des Helmes fest und sagte heiser „ Die Lohengrinder brauchen unsere Hilfe - geradeaus durch den Wald! Lasst euch nicht von den Pferden hauen, wenn es nur zwei Kutschen schaffen schenken wir den Belagerten Tage und dies kann Entscheidend sein.

Iasander schaute sich um „ Beim heiligen Bonifazius „ sagte er und sah zu wie sich die Reiter zu Gruppen zusammendrängten. „Auf in die Schlacht, seit ihr bereit Freunde?!

Zustimmendes Murmeln antwortete ihm. Die Reiter senkten ihre Lanzen und hielten die Schilde an den Körper. Isander hieb dem Pferd die Fersen in die Flanken und Ritt als erster an. In zwei Windungen führte der Pfad in den Wald hinunter und plötzlich polterten und dröhnten zahllose Hufe den Hügel abwärts, das laute Knirschen und rattern der schwer beladenen Kutschen übertönte alle weiteren Geräusche im Wald. Reiter drängten sich rechts und links der Kutschen zwischen den Stämmen hindurch, deren Wurzeln sich in weiten Abständen aus dem Laub bedeckten, moosigen Boden verknoteten. Zu Fuß kämpfende Orks mit schwarzen Tätowierungen im Gesicht und auf der Brust, warfen sich den Reitern entgegen. Lanzen bohrten sich in Körper, Schwerter und Kampfbeile schlugen blitzend auf Schilde und fetzten Rindenstücke von den Bäumen, ließen Schilde bersten oder hieben handgroße Teile aus den Rändern . Die Kämpfenden droschen schreiend aufeinander ein, Blutüberströmte Orks und Menschen brachen zusammen.Pferde keilten aus, Lanzenspitzen bohrten sich in Birkenstämme. Die Reiter warfen Fußkämpfer um und rammten sie mit Wurfspeeren in den Boden. Immer bedacht ihre Kutschen mit der Wertvollen Fracht zu schützen. Gerade in diesem Moment brachen die Speichen eines Rades und eine der schweren Kutschen schlug ungebremst gegen einen dicken Eichenbaum so das Holz Dreck und Schlamm Meterweit durch die Luft geschleudert wurde.

Langsam kämpfte sich die kleine Wagenkolonne im leichten Zick Zack durch den Wald, der vom Waffenklirren und dem Ohrenbetäubenden Gebrüll der Orks widerhallte.Wütende Reiter ließen eine breite Spur verwunderter und erschlagener zwischen den Wurzeln zurück, zerhauende, blutige Schilde und zerbrochene Waffen.

Ein Pferd lag zuckend mit gebrochenen Läufen im niedergetrampelten Gebüsch. Langsam näherten sie sich der Stadtmauer und Orks kamen in wilder Kampfeswut von allen Seiten auf sie zugelaufen.

Einige Männer kämpften verbissen auf dem Boden zwischen mannshohen Findlingen , wiehernden und auskeilenden Pferden und zersägten Eichen. Eine große Schar Orks mit zweischneidigen Äxten stürmte heran und hieb die verbliebenen Männer nieder. Schreiend zogen sich die wenigen überlebenden Gefolgsleute Isanders zu den Berittenen und ließen sich von ihnen Mitschleppen, es herrschte ein Wimmern und Heulen aber der kurze Weg zum Tor schien frei zu sein.

„Ein Grausames Gemetzel“ rief Isander , Sie öffnen schon die Tore sputet euch“ Mit einem Blick über die Schulter wurde Isander gewahr, das noch drei Kutschen polternd den schmalen Pfad Richtung Tor hinunter Donnerten.

Mit einem Ruck wendete er sein Pferd und galoppierte in den Pulk dicht gestaffelter Orks, die den Kutschen dicht auf den Fersen war. Mit einem letzten zornig Gebrülltem Befehl, die Wagen sollten sich sputen ging er im Getümmel der Axt schwingenden Orks unter.

„ Langsam etwas fahrig wischt sich der Greis ein paar Schweißtropfen von der Stirn, zu sehr hat ihn die Geschichte und die damit verbundenen Erinnerungen aufgewühlt. Leise spricht er weiter.

„ Der Heldenmut Isanders und seiner Gefolgsleute ermöglichten den Belagerten einen Aufschub von zwei Wochen.und damit genügend Zeit bis die Entsendungstruppen aus Wolfswacht , Lamondin und Taakur Cerar eintrafen. Es war das erste mal in der Geschichte Parcifals, das Menschen, Elfen und Orks sich gemeinsam einem Gegner stellten und diesen zurück warfen, so das Lohengrin befreit wurde und der Bund der Völker sich zu zarten Banden verknüpfte“

Zu Ehren Isanders von Bern wurde ein Denkmal errichtet, direkt in dem See an dessen Ufern einst seine Ländereien lagen. Doch leider wurde sie, wie auch der Name Isander von Bern im laufe der Zeit vergessen und nur noch alte Bücher oder Greise so wie ich wissen von seinen Taten.

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