Vollständige Geschichte von Livija Kelathara Castien

Zuhause in Etria:

Ich wurde am 12. Mai 1234 in dem schönen Königreich Naskan geboren, genauer gesagt in der Hauptstadt Etria und wuchs dort auch zusammen mit meiner kleinen Schwester Liana auf. Wir lebten am Fuß des Himmelsberges, welcher weit im Westen unserer Welt lag.

Den Namen verdankte der Himmelsberg seiner unfassbaren Größe, nie gelang es einer sterblichen Kreatur bis zur Spitze des Berges zu wandern. Die Luft war viel zu dünn und die Hitze, die beim Aufstieg herrscht, machte selbst unserem wärmeliebenden Volk zu schaffen.

Etria war die größte bekannte Wüstenstadt in Naskan, nahe des Dschungel, welche auch regelmäßig von Nomaden auf der Durchreise besiedelt wurde. Viele fanden hier ein neues Zuhause, doch die Sandstürme machten das Leben nicht gerade leichter.

Unsere Bürger verhüllten stets ihr Gesicht mit ihren wertvollsten Tüchern, um in erster Linie Mund und Augen vor den feinen Sandkörnern der Wüste zu schützen.

Die Nahrungsbeschaffung stellte nie ein Problem dar, da wir in Mitten der Stadt eine große, edyllische Oase

Die gesamte Hauptstadt saß viel höher als der Rest des Reiches, was eine Verteidigung um vieles erleichterte. Noch dazu war Etria von massiven Mauern umringt, was außenstehenden Bürgern den Weg zur Mitte ungemein erschwerte.

Jeden Samstag ging ich mit meiner Mutter zum Markt, es war der größte und spektakulärste den ich in meinem ganzen Leben sah. Jedes Mal war es ein wahrhaftes Fest auf dem tausende Elfen und auch viele andere Wesen dieser Welt zusammen kamen. Wir verkauften dort unsere selbst gezüchteten Kräuter, Kartoffeln und noch vieles, vieles mehr.

Zuhause half ich trotz allem wo ich nur konnte… ich wusch die Wäsche, half bei der Arbeit auf dem Feld, lernte zu nähen und zu kochen. Trotz des Wohlstands den meine Familie genoss, blieben wir immer Bodenständig und sorgten selbst für unser täglich Brot.

Als ich 9 Jahre alt war, wurde endlich meine Schwester Liana geboren und ich war die stolzeste große Schwester, die man sich hätte vorstellen können. Das ganze Königreich kannte meinen Namen, da ich stets aufgeweckt durch die Straßen und Wälder sprang, wobei das ein oder andere mal auch etwas zu Bruch ging… ups!

Vater war nie wirklich zuhause, er war immer unterwegs auf hoher See, denn die königliche Familie geriet in den letzten Jahrzehnten immer wieder in Seeschlachten mit anderen Reichen oder Banditen. So wurden eines Tages so viele tapfere Krieger wie möglich aufgerufen sich ihren Schiffsflotten anzuschließen, unter ihnen mein Vater.

Wenn die Schiffe wieder zurückkamen, waren alle Bürger aufgeregt ihre Liebsten wiederzusehen! In dieser Zeit, lehrte Vater meine Schwester und mich alles, was er draußen auf dem Meer gelernt hatte und alles was er nun sammeln musste um weiter auf hoher See zu überleben. Er zeigte uns wie man sich Bandagen aus den einfachsten Materialien macht oder Wasser aus Bäumen gewinnt und auch wie man einfach Medizin aus Kräutern und Samen herstellen kann.

Die Jahre vergingen und durch die abenteuerlichen Geschichten meines Vaters wusste ich schon lange was mein Traum war! Ich wollte in die Fußstapfen meines Vaters treten und auf dem Meer segeln, ich wollte unserem Volk dienen und helfen, doch es war mehr als außergewöhnlich als Frau auf Schiffen die Welt zu erkunden oder gar Krieg zu führen.

Die Frauen der Familie blieben ihren Pflichten treu und kümmerten sich zuhause um das Essen, die Wäsche und natürlich auch die Kinder.

Im Alter von 16 Jahren war ich endlich so weit und fand meine Magie, die tief in mir schlummerte. So spezialisierte ich mich auf Heilungsmagie und die Kunst der Morphologie, was unserem Reich und vor allem den kleinen Dörfern außerhalb eine große Sorgen abnahm. Nicht jede Krankheit oder Verletzung ließ sich heile, doch trotz allem wurde ich bereits mit meinen jungen 16 Jahren die Heilerin Naskans.

Unser König, Aegon beschloss eines Tages plötzlich alle Abgaben im gesamten Reich zu verdoppeln und als wäre das nicht genug, beanspruchten sie neue Teile Land das ihnen nicht gehörte, sondern den Bauern und Farmern. Warum er das tat? Natürlich hatten sie den fruchtbaren Boden und die Kriege auf hoher See als Vorwand. Allerdings denke ich bis heute, dass er es aus reiner Gier und dem Verlangen nach Macht tat…

Macht… das Gefühl, was uns Aldmer seit Jahrhunderten antreibt…

Die Schulen der Hauptstadt waren ebenfalls nur denen gestattet, die es sich leisten konnten. Für Dakath waren arme Bürger eine Schande für alle anderen, sie waren einzig für ihre Abgaben nützlich. Ja, dies war ebenfalls ein raffinierter Schachzug unseres Herrschers um das Wissen des Volkes immer weiter einzugrenzen…

All das hat dazu geführt, dass ich irgendwann eine Abneigung gegen Adelige und besonders Mitglieder einer Königs-/ Kaiserfamilie entwickelte, schon verrückt da ich selbst aus einer adeligen Familie stamme oder?. Jahr für Jahr verloren die Bauern und die kleinsten Dörfer außerhalb der Hauptstadt immer mehr Taler, wobei die Reichen immer reicher wurden.

Als ich 20 Jahre alt war und Liana bereits alle meine Aufgaben zuhause übernahm um Mutter zu helfen, beschloss ich endlich meinem Vater zu folgen, egal was alle anderen dachten… sie würden schon sehen, dass ich keine gewöhnliche Elfin bin.

Auf hoher See:

Ganze 7 Jahre verbrachte ich auf der See und konnte in der Zeit solch wunderschöne Ecken unserer Welt sehen, von denen ich niemals gedacht habe es könnte sie geben.

Es hat ein ganzes Jahr gedauert, bis die anderen Männer mich akzeptierten, aber mein Vater, der Kapitän des Schiffes auf dem wir lebten, bestand darauf, dass ich mit ihm segle.

Neben all den neuen Entdeckungen sah ich allerdings nicht nur die schönen Seiten unserer Welt, sondern auch sehr, sehr dunkle. Egal ob es Sklaverei war, jemand Verrat begann und mit dem Tod bezahlte oder ein kleines Schiff mit Seeräubern, die versuchten uns zu überfallen und einige unserer Leute töteten. Ich stand stets tapfer bei den Kriegern, doch mir wurde es selbst nach 7 Jahren verwehrt zu Kämpfen, ich sei bloß eine schwache Frau und wäre da, um sie zu heilen hieß es… dass ich nicht lache…

Eines regnerischen Tages war es nicht nur ein kleines Schiffchen, sondern ein riesiges, angsteinflößendes Piratenschiff mit 3 dutzend Männern Besatzung… Viele unserer Truppe begannen zu beten, da wir selbst nur noch 13 Anhänger waren. So ein riesiges Schiff haben selbst die erfahrensten Mitglieder noch nicht gesehen.

Einige sprangen sogar über Bord, während die Übrigen bereit waren unser Hab und Gut zu verteidigen. Ich griff nach meiner Waffe, als ich die Hand meines Vaters spürte, die mich zurück hält „Verstecke dich Livija und EGAL was passiert… du darfst auf keinem Fall hervorkommen! Bring dich in Sicherheit meine Tochter…“

Ich war für einen kurzen Augenblick wie erstarrt, doch tat schließlich wie er mir befahl, so wurde ich erzogen. Als die Räuber auf unser Schiff stürmten und ihre Schwerter zückten schloss ich die Augen und kauerte mich weiter hinter die leeren Fässer unseres Schiffes. Nachdem der Kampf fast verstummt war, sah ich die Plünderer, wie sie alle gefesselt hatten und das Schiff nun nach weiteren Menschen und Wertsachen durchsuchten. Natürlich blieb ich nicht lange unentdeckt und würde von einem alten menschlichen Mann mit Holzbein schmerzhaft vor die Füße ihres Anführers gezerrt. Jedermann erkannte bereits in seinen Augen wie erfreut er war eine junge Frau vorzufinden!

Sie musterten mich von oben bis unten, kein Detail blieb vor ihren Augen versteckt und plötzlich zog mir das Holzbein, so nannte ich ihn, die Robe vom Leib, wodurch meine Kopfbedeckung fiel und meine spitzen Ohren kamen zum Vorschein.

Sätze wie:„Eine junge Elfe, war ein Schmuckstück…“ oder „Ein feiner Leckerbissen“ konnte ich aus ihrem darauffolgendem, wirren Gespräch entnehmen, doch ein Satz war für meine Ohren nicht zu überhören.

„Sie wird für uns sehr nützlich sein, außerdem haben wir keine Frau an Bord…“ Ihr Grinsen wurde immer breiter. Ich erkannte Menschen, doch nicht alle waren von menschlicher Gestalt… einige waren riesige, abscheulich aussehende Wesen, deren Gestank kaum auszuhalten war. Sie drohten mir mit einer scharfen klinge, die sie langsam an die Kehle meines Vaters drückten. Mir gefror das Blut in den Adern, also konnte ich nicht anders, als ihnen zuzustimmen mit ihnen zu kommen…für die Sicherheit unserer Familie. Ich hätte es mir nie verziehen, wenn Vater an diesem Tag wegen mir etwas zugestoßen wäre…

Das Piratenschiff Maaleshira:

Zuerst war ich eine bloße Gefangene in ihren Verließen und meine Arme und Beine waren nach kurzer Zeit der Gefangenschafft verwundet. Die scharfen Kanten der Fesseln und der raue Holzboden hatte mit unzählige Wunden hinzugefügt und alte erneut aufgerissen. Mich selbst zu heilen hatte ich bereits schneller verworfen, als mir der Gedanke in den Kopf schoss, es würde eine wichtigere Situation geben in der ich mein Magica brauche.

Doch das Verließ veränderte mich nach und nach, der wahre Aldmer in mir kam langsam zum Vorschein und ich schmiedete einen Plan um aus diesem Gefängnis zu entkommen und Eindruck zu machen. Also sprach ich eines Tages den Wächter an, als er wieder mit einer Portion Essen kam und erzählte ihm von meinen heilenden Kräften, dieser lachte lauthals und schenkte meinen Worten keinen Glauben.

Bereits einige Tage später hörte ich wie sie einen verletzten Menschen auf das Schiff trugen, er wurde von einer der Kanonen der Adelsflotte erwischt und konnte sichtlich kaum die Augen offen halten. Als sie sein gebrochenes Bein verarzten wollten wurde sichtbar wie wenig Ahnung sie von Medizin haben… das war meine Chance!

Ich öffnete meine spröden und trockenen Lippen für einen schlichten Satz „Ihr werdet ihn töten…“, wodurch ich unwillkürlich lächeln musste. Die gesamte Besatzung starrte mich ungläubig an und ich fixierte den am Boden liegenden Mann mit meinen Augen, bevor ich sie kurz darauf schloss um meine Kräfte für ihn zu nutzen. Als ich meine Augen wieder öffnete starrte mich selbst der vor kurzem noch verletzte Krieger erstaunt an und stand ohne große Probleme auf um sich abzutasten.

Das war mein Kauf in die Freiheit und mit den Jahren auf diesem Schiff raubten wir erfolgreich ein Adelsschiff nach dem anderen aus, während ich wieder im Hintergrund die Fäden zog. Mein neues Zuhause war nun die Maaleshira, das war der Name des nun bekanntesten Piratenschiffs und mein Herr war Dakath, der Kapitän.

Nach jeder großen Schlacht kamen die Verletzten zu mir und ich hatte die Aufgabe sie zu heilen, damit sie bereit für den nächsten Kampf waren. Zusätzlich wurde mir die Kunst des Schwertkampfes beigebracht, wofür mir auch zwei spezielle Waffen geschmiedet wurden um mich selbst verteidigen zu können. Etwas blut klebt an meinen Klingen, allerdings war ich niemand der gerne mordet…

Dieses Schiff und diese Mannschaft veränderte nach und nach immer mehr meine eigene Persönlichkeit… ich wurde skrupelloser, kaltherziger und die Besatzung der Maaleshira vertraute mir mit jedem Tag mehr. Ich fand Gefallen an den Taten der Maaleshira und fühlte die Macht, die ich über sie hatte.

Alle paar Monate suchten wir Land um Nahrung zu holen, das Diebesgut zu lagern und besonders um meinen Vorrat an Medizin und Heilkräutern aufzufüllen. Jedes Mal war es seltsam und völlig ungewohnt wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Einige Jahrzehnte vergingen und nun war ich bereits 89 Jahre alt, was man mir natürlich nicht im Geringsten ansah. Viele der alte Besatzungsmitglieder sah ich sterben und noch mehr neue Seeräuber schlossen sich unserer Truppe an, selbst ein neuer Kapitän wurde ernannt, als Dakath starb. Das Leben auf der See war mein Alltag, doch bald sollte sich meine Welt von Grund auf ändern… (Fortsetzung folgt)

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Eine wirklich faszinierende Geschichte, es ist aber erstaunlich, dass diese Piraten solch eine zärtliche Elfin nicht schändeten wie sie es übllich tun würden

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Livija ist es wohl keine Freude darüber der ganzen Welt zu berichten :wink:

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Da solltest du vorsichtig sein,
wenn du einen Dunkelelfen zärtlich nennst endet du mit einem Elfenschwert im Rücken…

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