Charaktervorstellung Kragan Korbenson

Eidwahrer

Die Hallen des Nachthimmels sind still, als ich eintrete.
Nur das Licht der Fackeln tanzt auf den silbernen Säulen wie ein ruheloser Geist. Dort oben, auf dem Thron aus dem schwarzen Stein der vom Himmel fiel ist mein Platz.

Mein rechter Ellbogen liegt schwer auf der Lehne, meine Finger trommeln wie Kriegstrommeln gegen den kalten Fels.
Heute ist es soweit, heute leistet er endlich seinen Schwur.
Bringt ihn herein“, sage ich zu den Männern deren Anführer nun vor mich treten soll.
Die Tore öffnen sich, knarzen jetzt schon wie die alten Tore Trondheims.
Jakvar tritt ein. Mein eiserner Schatten, der Anführer meiner Leibgarde.
Er trägt noch seine Panzerung, das salzverkrustete Eisen, die Mantelschließe aus Elchhorn, den Gürtel, an dem die Klinge hängt, die zu kurz ist für seine Schultern, zu schlicht für seinen Eid. Er fällt auf die Knie, wie ich es verlange. Ohne ein Wort.
Ich erhebe mich. Meine Schritte hallen wie Hammerschläge auf dem Amboss von der Decke zurück. Langsam steige ich hinab vom Thron, hinab zu meinem Schatten.
Du weißt, warum du hier bist, Wächter“, sage ich.
Er nickt. Nur einmal. Ich ziehe Vardgrimm.
Die Klinge blitzt im Licht der Fackeln das von den Kristallen an der Decken zurückgeworfen wird.
Rechte Hand“, sage ich.
Er reicht sie mir.
Ich lege meine auf die Klinge. Spüre die Kälte des Stahls der ein Tyr gehörte.
Dann ziehe ich die Schneide durch mein eigenes Fleisch.
Kein Zögern. Kein Laut. Nur Blut.
Es tropft auf das Metall wie Regen auf gefrorenen Boden.
Dein Blut soll sich mit meinem vermengen. Deine Treue soll durch meine Adern fließen. Dein Schwur soll mein Herz bewachen.“
Ich halte ihm die Klinge hin.
Tu es.
Er zögert nicht. Schneidet sich. Lässt sein Blut auf Vardgrimm tropfen.
Dann sage ich ihm den Schwur und er wiederholt ihn:

„Bei meinem Blut, bei meinem Namen und bei meiner Ehre
schwöre ich, Jakvar, Sohn des Sven, dir, Jarl Kragan Korbenson von Sølvøya, die Treue.
Mein Leben gehört dir,
mein Wille gehört deiner Familie,
meine Treue gehört deinem Haus,
mein Herz und Stahl gehören Sølvøya.
Deine Feinde sind meine.
Deine Kinder sind meine Pflicht.
Deine Insel ist mein Grab, wenn es sein muss.
Solange dein Haus ungebrochen ist
bin ich Schild und Speer.
Solange du atmest
werde ich fallen, bevor du fällst.
Dein Haus ist mein Herr, dein Wille mein Gesetz,
und wer dir widerspricht,
widerspricht mir
und ich werde ihn brechen wie morsches Holz.
Ich binde meine Knochen an deine Krone,
meine Zunge an deine Stimme,
mein Herz an deinen Zorn.
Du bist nicht nur mein Jarl.
Du bist mein Herr, mein Gebieter,
Ich höre nicht auf die Götter, wenn du sprichst.
Sollte ich wanken, zerschlage mich.
Sollte ich versagen, verbrenne mich.
Sollte ich dich verraten, töte mich.
Und wenn ich lüge,
dann soll das Meer mich ertränken,
die Berge mich zermahlen,
und mein Name verrotten in den Liedern der Hunde.“
„Solange ich atme, wird dein Schatten nicht weichen.
Solange ich stehe, wirst du nicht fallen.
Solange ich sterben kann, bist du unsterblich.
Ære dir, Kragan. Ære deinen Kindern. Ære deinem Haus. Ære Sølvøya.“

Stille.
Nur unser Atem. Nur das Echo eines Schwurs, der zwei Männer verbindet, zu Blutsbrüdern.
Ich spüre, wie mein Herz pocht.
Dein Blut hat sich mit meinem vermischt“, sage ich leise, fast ehrfürchtig.
Und damit gehörst du nun zu meinem Fleisch, zu meiner Linie, zu meinem Haus. Von heute an bist du einer der Unsrigen. Einer der von Sølvøya. Deine Vergangenheit endet hier, dein neues Leben beginnt.“
Ich gehe zu dem Altar der alten Waffen, hebe das Schwert, das dort liegt:
Eiðvǫrðr, Eidwahrer.
Der Griff aus Walrossbein, der Knauf geformt wie ein nordisches Auge.
Ich reiche es ihm.
Er nimmt es, als hätte er nie ein anderes geführt.
Trage es, wie du den Eid trägst, solange du den Eid trägst“, sage ich.
Als Waffe und als Zeichen.“
Dann lege ich ihm die Hand auf die Schulter.
Du bist nun mein Eidwächter, Jakvar von Sølvøya. Der Erste seines Namens. Mein Schild im Rücken. Mein Speer im Herzen meiner Feinde.“
Er senkt den Blick.
Ich aber sehe nach oben, hinauf zum Dach des Nachthimmelsaals, dem schwarzen Stein, dem weißen Kristall, als wäre dort der Himmel selbst.
Und wenn die Götter mich richten, sollen sie wissen, dass ich nicht allein bin. Dass ich Männer wie dich an meiner Seite habe. Und dass mein Haus nicht fällt.
Ein Donner aus der Ferne durchbricht die Stille, ein Vorzeichen für den Sturm der kommt. Die Bestätigung des Allvaters.

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Omen

Aus dem Tagebuch des Kragan.

Nun ist es endlich geschehen. Thyma Dorei ist gefallen, ihre Stadt ist abgebrannt und sie sind mit ihren Schiffen geflohen. Die Sache mit der Schleuße scheint sich auch langsam zu klären. Und der Bau des Bergfrieds hat begonnen. Ich erlaube mir das erste Mal seit Monaten wieder zu hoffen. Doch auch wenn der Tyrann der die Attentäter auf mich hetzte tot ist und damit hoffentlich auch sein weiteren Versuche mich zu töten, habe ich die Insel noch seltener verlassen als zum Zeitpunkt zu dem er noch lebte. Natürlich hat Jàkvar als Führer meiner Leibgarde etwas damit zu tun. Und seine anhaltenden Paranoia, doch in letzter Zeit bin ich kaum mehr aus meinem Arbeitszimmer gekommen. Ich habe mir sogar schon ein Quartier neben dem Gemälde meiner Frau gemacht, um Zeit zu sparen und im Büro zu übernachten. Eigentlich dachte ich, würde es mir beim einschlafen helfen, sie anzuschauen. Doch ich kann sie nicht mehr ansehen, ein unwohles Gefühl, ein Schauder der mir über den Rücken läuft, sucht mich heim. Und so drehe ich mich jedes Mal von ihr weg und spüre ihre Blicke im Rücken.


Ich esse zu wenig, das sagt Freya zumindest immer wenn sie mitsamt der Magd in mein Zimmer kommt weil ich wieder ein Essen verpasst habe und mir einen Teller auf den Schreibtisch stellt. Jedes mal lächle ich sie an, küsse ihre Stirn und sage ihr das es bald anders sein wird. Doch wann wir dieses bald sein? Ich weiß es selbst nicht.
Zweimal habe ich diesen Monat den Palast verlassen, wenn ich die Kontrollen auf der Baustelle nicht einrechne. Einmal um meinen Onkel willkommen zu heißen, der zu unserer alten Siedlung im Süden aufgebrochen war und nun wieder nach Hause gekommen war. Ich danke den Göttern das sie ihn zurückgebracht haben, er muss nun für meine Kinder den Großvater spielen wie er für mich den Vater spielte, wenn ich schon keine Zeit für sie habe, doch so ist das, Adel verpflichtet.
Und einmal als ich Besuch aus Mjosfell bekam.
So langsam beschleicht mich eine Ahnung, woher meine Schlafprobleme kommen, zumindest, wenn ich dort schlafe. Fühle ich mich schuldig? Ihr gegenüber noch immer verpflichtet? Ich meine, ich habe sie geliebt, aber sie ist nun schon lange tot. Kann ich weitermachen? Darf ich? Soll ich?
Mein Onkel meint, ja, aber kann das mit mir vereinbaren?
Ich weiß nicht was ich fühle.
Und um das zu Ergründen fehlt mir die Zeit, der Bergfried wartet nicht, sie brauchen meine Pläne, meine Zeichnungen und genauso wenig wartet Askarien. So wie ich einst täglich mit dem Schwert gebraucht wurde, werde ich nun täglich mit der Feder gebraucht.

Doch alles hat ein Ende, so hoffentlich auch diese Schreiberei.

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Chronik des Hochkönigs, Eintrag 1

Nun war es also endlich geschehen, endlich konnte das Hochkönigreich das Licht der Welt erblicken, sogar noch zu meinen Lebzeiten. Die Verhandlungen mit den Orks waren abgeschlossen, der Ausruf getätigt. Wenn auch irgendein, anscheinend geistig Verwirrter, einen kryptischen Text ans unteren Ende des Ausrufes gekritzelt hat, ist das nichts was unsere Glorie, die uns bevorsteht, mindern könnte. Wahrlich großes steht uns bevor. So hoffe ich, das die Zeiten sich wieder einmal ändern, das sie besser werden. Und es mir, uns gelingt, gute Zeiten für das Askarien und für ganz Eldoria zu schaffen und die Spannungen zwischen den Städte etwas mildern können. Und falls nicht, gehen die Bauarbeiten am Bergfried gut voran.

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Chronik des Hochkönigs, Eintrag 2

Askarien stand größer und stärker als ich es mir jemals zu erträumen gewagt hatte. Nun saß ich doch noch auf dem Thron, den ich für meinen Sohn baute, nun sollte ich doch noch im Bergfried des Hochkönigs hausen dem ich meinem Sohn als Erbe hinterlassen wollte. Die Götter haben wahrlich einen seltsamen Sinn für Humor. Und dennoch ist nicht alles perfekt.
Askarien wurde bestohlen. Um diesen verfluchten Orkzahn geht es mir nicht. Wir haben ihn doch selbst bloß aus den Trümmern von Thyma Dorei gekratzt, doch darum das ein Gast uns verraten hat, jemanden den ich persönlich aufgenommen hatte. Wobei das meine geringste Sorge ist. Zumindest muss ich mir keine Sorgen um die Mauern Sølvøyas machen. Nur um diejenigen die darauf Wache halten. Und denen werde ich ordentlich den Kopf waschen.

Was mich viel mehr grämt ist, das wir nun das Reich haben, von dem mein Stamm und ich immer geträumt hatten, erst in Norwegen, jetzt hier, doch wir sind alleine. Wir haben die Orks als unsere Kämpfer, die Elfen als unsere Zwerge. Und ja, es sind unsere askarischen Brüder und Schwester. Aber nicht unser Blutvolk. Während ich dies schreibe, drehe ich einmal mehr den Siegelring, den ich für den Jarl von Mjosfell anfertigen ließ zwischen den Fingern meiner linken Hand. Er wäre mein Geschenk an ihn gewesen, zur Versöhnung, damit unsere Stämme sich friedlich vereinen können. Doch er wollte nicht. Er hat es abgelehnt mit den Männern und Frauen seines Blutes zu stehen. Doch so soll er doch. Es schmerzt, mich, es macht mich traurig, aber zum Glück denken nicht alle hinter den Holzwällen Mjosfells so. Ich werde den Siegelring wieder einschmelzen lassen. Und was ich dann daraus mache? Das sehe ich schon.

Doch Askarien blüht, also sollte ich mich nicht zu sehr grämen.
Lang lebe Askarien

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Plötzlich stehen wieder Zeilen in dem alten Tagebuch des Jarls, das nun eigentlich durch die Chroniken des Hochkönigs ersetzt hätte werden sollte. Doch die Chroniken gehören den Chronisten, wenn sie das nächste Kapitel Askariens niederschreiben. Doch nicht alles ist für ihre Augen bestimmt.

Und so beginnt sie auf ein neues, die Geheimhaltung, das Verschweigen, das Täuschen. Einmal in meinem Leben möchte ich all denen, die mir etwas bedeuten die Wahrheit sagen können, nichts als die Wahrheit und die ganze Wahrheit. Einmal möchte ich nichts verschweigen oder verstecken müssen. Vor meinen Kindern, vor meinem Onkel, vor meinem Volk. Doch so langsam glaube ich, das ich dafür die Wahl zum Jarl nicht hätte annehmen dürfen. Die Königskrone die mir mein Onkel und meine Brüder aufgesetzt haben. All die Macht die sie in meine Hände gelegt haben, da sie mich für geeignet hielten, sie zu wahren. Und doch blüht Sølvøya, blüht Valkarath, und blüht Askarien , also vielleicht hatten sie Recht damit, mir zu vertrauen. Aber dennoch, manchmal träume ich davon ein Niemand zu sein. Durch die Welt zu wandeln und unbeachtet zu sein, keine Verpflichtungen zu haben, sich vor niemandem rechtfertigen zu müssen. Doch wie es aussieht haben die Götter anderes mit mir vor. Und dennoch muss ich mich dafür bei ihnen bedanken. Hätten sie mir nicht all das Leid in meiner Vergangenheit gegeben, wäre ich nie nach Konstantinopel gekommen, hätte meine Kinder nie das Licht der Welt erblickt.
Wäre meine Frau nie gestorben, wäre ich nie hierhergekommen, wäre nie Hochkönig geworden.
Und hätte nie sie kennengelernt.
Und auch wenn ich nun auf ein neues mein Herz nicht zu meinen Freunden, meiner Familie tragen kann, muss ich dennoch dankbar sein das alles so gekommen ist.
Doch bitte ich die Götter das ich es nicht zu lange verheimlichen muss. Ich bitte sie um den Tag meiner Wünsche.
Den Tag ohne Geheimnisse.

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Erneut erschienen Zeilen im Tagebuch anstelle der Chroniken

Ich mag nun Hochkönig sein und dennoch bin ich so unfrei wie noch nie. Der Vogel im goldenen Käfig

Der Klang der Glocke über mir riss mich aus meinem Gedanken. Ich spürte den kalten Marmorboden durch den Stoff meiner Robe. Noch immer kniete ich im Tempel bei Fackelschein. Zwei Soldaten meiner Garde sorgten dafür daß ich ungestört war, doch bei dieser tiefen Nacht musste ich mir wahrscheinlich keine Sorgen machen. Meine Finger umklammerten den Griff meines Schwertes das ich auf den Boden stemmte.
Ich hatte gebetet, zu allen Göttern in deren Namen man mir meinen Namen gegeben hatte. Ob ich nun in Trace gewesen war, oder eingeschlafen kann ich nicht sagen. Doch es war Zeit, Zeit meinem Schwur zu erneuern nachdem der Diebstahl ihn beschmutzt hatte. Ich legte das Schwert auf den Boden und zog das Messer das an seiner Scheide hing. Führte es vorsichtig an die geschlossene Wunde an meiner linken Hand.
Meine Gedanken schweiften zu ihr. Was sie dazu sagen würde. Wie ich es ihr erklären sollte ohne das sie sich Sorgen macht. Ich stieß ein weiteres Stoßgebet aus das es ihr nicht auffallen möge und öffnete die Wunde auf ein Neues. Warmes Blut floss heraus, über meine Hand. Ich tauchte den Daumen meiner rechten Hand hinein und drückte ihn auf die Botschaft, die ich nur für sie geschrieben hatte, bevor ich mein Schwert an meine Wunde hielt und das Blut die Muster und Unebenheiten füllte. Erst als die Wunde wieder versiegte hielt ich mir das kalte Metall an die Stirn und spürte wie das warme Blut über meine Stirn lief und auf mich tropfte.
Und so begann ich zu sprechen:

So schwöre ich, Kragan Veridian Korbenson von Sølvøya, Hochkönig Askariens,
dass mein Blut den Stein tränken soll, solange Silberinsel und Stadt bestehen.
Kein Feind soll ihre Mauern brechen, solange mein Herz schlägt.
Kein Feuer soll sie verzehren, solange mein Arm das Schwert hält.

Ich schwöre den Schutz der Silbernen Stadt,
ich schwöre den Schutz der Insel im Meer,
ich schwöre den Schutz meines Stammes, der mir vertraut.

Doch solange ich atme,
solange mein Blut fließt,
solange mein Schwert glänzt,
sind Stadt und Insel sicher,
und mein Volk ungebrochen.

Solange bin in der Wächter der Silbernen Stadt und der Hüter des Silbernen Reichs

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Traum

Aus dem Tagebuch des Kragan.

Mann gab mir Bescheid, dass die Orks, meine Verbündeten, den Einzahn, das Diebesgut gefunden hätten. Und zwar in Hadark an Zile? Zigil? Ziegel? Irgendetwas in die Richtung. Eine Zwergenstadt auf dem Kontinent von Valkarath und Liannon, mit denen ich noch nicht viel zu tun hatte. Der Räuber scheint im Auftrag von Hohenfels gehandelt zu haben, das behaupten sie zumindest mit einem Auftragschreiben. Doch ich traue diesen Zwergen nicht. Warum sollte die Stadt, die mir die Unabhängigkeit gegen Thyma Dorei garantiert hat, sich gegen mich wenden? Und wie sollte der Räuber den Auftrag angenommen haben und anstelle von Hohenfels zu Hadark gelaufen sein? Und warum sollte er diese Schreiben am Schwarzen Brett platziert haben.

Das ergibt alles keinen Sinn. Und ich weiß, dass die Zwerge uns nicht sehr wohlgesonnen sind, nicht nachdem wir Liannon aufgenommen haben. Ich gehe also schwer davon aus, dass die uns etwas verheimlichen, wenn sie es nicht sogar selbst waren.

Aber was sie damit bezwecken wollten? Keine Ahnung. Vielleicht sollte es Rache sein, vielleicht wollten sie uns weitere Feinde bescheren. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass die Zeichen nicht gut stehen und diejenigen, die mir vorwerfen, Kriegstreiber zu sein, diejenigen sind, die am meisten Unruhe stiften.

Was will ich?
Keinen Krieg, kein Chaos. Ich will meinen Kindern ein guter Vater sein, meinem Volk ein guter König und vielleicht wieder meiner künftigen Frau ein guter Ehemann. Eigentlich wollte ich das Schwert niederlegen und gegen das Zepter eines rechtschaffenen, eines guten Anführers eintauschen. Doch das kann ich mir nicht erlauben.
Lange grübelte ich noch über dieses Problem und kam doch zu keiner Antwort. Also legte ich mich schlafen.


Schreie, Schreie aus der Nacht. Als ich die Augen aufschlug, konnte ich den verbrannten Geruch eines Feuers riechen. Als ich aufsprang und ans Fenster lief, den Bergfried hinunterblickte, sah ich das Banner Askariens an der schwarzen Zitadelle brennen, das Tor des Torhauses zersplittert und feindliche Krieger, die sich die Treppen hinaufkämpften.
Dann die Alarmglocke. Ich schnappte mir Vardgrimm, mein Familienschwert, und eilte die Treppe noch im Nachthemd hinunter. Ich verfluchte mich selbst, den Bergfried so groß und voller Treppen gebaut zu haben. Doch als ich in den kleinen Thronsaal kam, hörte ich bereits Geschrei und das Klirren von Schwertern. Im Innenhof kämpfte meine Leibwache mit Feinden. Ich biss mir auf die Unterlippe. Wie konnten sie bereits so tief in die Insel vorstoßen? Also hob ich meine Klinge und rannte wie ein schreiender Berserker auf den Feind zu, kreuzte meinen Stahl mit seinem und stach mein Schwert in die Körper. Es dauerte nicht lang, bis mein weißes Nachthemd mit Blut besudelt, von ihm rot gefärbt war, doch es hörte nicht auf. Immer mehr und mehr der Feinde stürmten in mein Heim. Immer mehr und mehr meiner Prätorianer fielen. Und dann war es nur noch ich. Alleine im Eingang des Bergfriedes. Ich schlug mich wacker, doch es waren zu viele. Dann, endlich erwischte mich einer am rechten Bein, ein weiterer am Arm, ich sackte zusammen und hörte das Gelächter, das aus ihren Mündern kam, als sie mich so sahen. Dann ein gleißend helles Licht, golden, das vom Himmel kam. Sie alle drehten sich um und blickten in den Himmel.

War es Odin, der gekommen war, um mich zu retten? Oder um mich nach Walhalla zu geleiten? Doch als die Gestalt weiter herabsank, sah ich, dass es eine Frau in einem Kleid war. Sie strich einmal mit der Hand zur Seite und ich konnte sehen, wie die Feuer gelöscht wurden und wie meine Feinde zu Staub zerfielen.

War es Freya? Die meinen Mut mit Gnade belohnen wollte?

Doch als sie näher kam, erkannte ich sie und mein Blut gefror in meinen Adern. Es war Aurelia, meine verstorbene Frau. Und in ihren Armen hielt sie das Kind, bei dessen Geburt sie gestorben war.

Ich schluckte und wollte auf sie zugehen, doch ich konnte es nicht. Als ich mich umblickte, war ich mit Ketten an den Boden gemacht. Und sie, sie stieg nur immer weiter und weiter herab, bis sie auf dem Boden vor mir landete.

Ich schrie sie an, was sie da tat, was das hier sei, ob sie wieder zurück in die Welt der Lebenden käme. Doch sie sah mich nur an, mit einem gleichgültigen, emotionslosen Blick. Ich stemmte mich gegen das schwere Eisen und kroch nach vorn, immer weiter und weiter, bis ich sie berühren konnte. Doch ihre Haut war kalt, als es mir gelang. Erst kalte Haut, dann Leder, dann Knochen. Ich konnte sehen, wie sie mit meinem Kind vor mir verweste und dann zu Staub zerfiel. Ich schrie und schrie und schrie …

bis ich schweißgebadet aus meinem Traum aufwachte. Mein Herz schlug höher, Adrenalin durchlief meinen Kreislauf. Ich lag im Bett, in der Schwarzen Zitadelle, nicht im Bergfried. Neben mir lag Freya, meine Tochter. Sie hatte sich schon wieder in mein Bett geschlichen, war aber wie durch ein Wunder nicht aufgewacht. Ich versuchte, so leise wie möglich aufzustehen und an das Fenster zu gehen. Ich blickte über meine Stadt, meine Insel und den Bergfried auf der anderen Seite der Schlucht. Alles stand, nichts brannte. Dieses Mal war der Albtraum ein anderer gewesen, in meiner letzten Nacht in der Zitadelle. Aurelia war sonst nicht vorgekommen. Warum dieses Mal?

Ihretwegen, stellte ich fest. War es nur ein Traum oder war es meine tote Frau, die aus Helheim zu mir sprach? Wollte sie mich aufhalten? Oder mir Glück wünschen und sagen, ich solle wieder glücklich werden. Mein Herz zog sich zusammen. Auch wenn ich es erneut einer Frau geschenkt hatte, einer lebendigen Frau, war Aurelia trotzdem noch darin. Doch, nein. Ich würde sie nie wiedersehen. Sie war bei ihrem Gott, in ihrem Himmel und nicht in Helheim. Ich muss sie gehen lassen. Ich muss in die Zukunft blicken, wie es mir mein Onkel in der letzten Nacht in Konstantinopel gesagt hatte. Die Menschen zählen auf mich, nun, eine Frau mehr. Also darf ich nicht in der Vergangenheit leben. Und das darf ich auch jetzt nicht. Ich muss mir selbst erlauben, wieder glücklich zu sein, wieder zu leben. Und wer weiß, vielleicht hilft sie mir dabei. Vielleicht brauche ich sie dabei.

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Chronik des Hochkönigs, Eintrag 3

Der Tag der Tage war gekommen. Der Tag auf den ich mich so lange gefreut habe, der Tag den ich ursprünglich erst unter der Herrschaft meines Sohnes erwartet hatte.
Meine Familie stand hinter mir, alle in festliche Gewänder gekleidet, wie ich selbst. Vor dem Tor der Schwarzen Zitadelle standen sie bereits, das Volk, mit Bannern, Fanfaren, Blumenkränzen und Speis und Trank. Es war ein Tag des Festes und auch in dieser neuen Welt hat das Nordvolk seine Vorliebe für Feste nicht verloren.
„Sind wir soweit, Vater?“, fragte mich Sigurd. Ich nickte und trat als erster aus dem Tor. Jakvar stand bereits mit der Prätorianergarde bereit und umschwärmte meine Familie wie es sich gehört. Dann ab in die Menge, in den Zug der feiernden Bürger die uns begleiteten. Sie trugen die Banner meines Hauses und Askariens als wir über die Brücken, Treppen und durch die Tunnel der Silberinsel traten. Hinter und Diener und Sklaven die unseren Hausrat trugen. Heute war es also endlich soweit, der Umzug in den Silbernen Bergfried. Dem Heim des Hochkönigs.
Mein Herz klopfte höher als wir durch den Tunnel traten. Ich hatte ihn erdacht, ich hatte sogar dabei geholfen ihn in den Stein zu schlagen, ich hatte ihn schon dutzende Mal passiert um zum Thronsaal oder der Baustelle zu kommen, doch ihn nun mit dem Wissen zu durchschreiten, das meine Familie nun hinter ihm wohnen sollte. Im Bergfried, ließ mich diesen Weg plötzlich mit Ehrfurcht beschreiten.
Als wir den Platz von Schwarz und Weiß betraten saßen die Alten, die Mütter mit ihren Kindern und die Gebrechlichen auf den Tribünen und jubelten und feierten wie der Zug um uns. Mein Schritt wurde fester, kräftiger als wir weitergingen.
Vor dem Thronsaal verließen wir die Menge, den Zug, sie sollten auf dem Platz feiern während wir weiter durch den Gang in Richtung des Kapitols marschierten. Die Soldaten öffneten uns die Tore und zogen uns mit dem Aufzug hinauf in die Gärten. Und dann, eine Treppe später, war es soweit. Wir waren im Bergfried angekommen. In meiner, unserer neuen Heimat.

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Chronik des Hochkönigs, Eintrag 4

Ich war voller Erwartung, als die Gesandten aus Neu-Bona, Mjosfell und Hadarkh eintrafen. Ein solches Aufgebot sollte Gewicht haben, dachte ich. Vielleicht ein Tag, an dem Worte den Grundstein für eine gemeinsame Zukunft legen. Doch ich irrte mich.
Es wurde nichts als ein endloses Hin und Her, leere Reden, Geschwätz ohne Bindung, kaum Ergebnis, das sich niederzuschreiben gelohnt hätte. Noch nie hatte ich eine Versammlung erlebt, die so wenig Frucht trug.
Doch das, was mich wirklich in Zorn versetzte, war die Schande, die einige wagten, über die Tafel am Fuße des heiligen Baums zu bringen. Zwerge, die dem Alkohol derart frönten, dass sie mitten in der Versammlung trunken umfielen. Ein Nordmann, der sich dermaßen maßlos füllte, dass er sich auf den Tisch übergab, als wäre er in einer Spelunke und nicht an einer Tafel, an der über das Schicksal ganzer Städte gesprochen wurde. Und einer, ein anderer Nordmann, der so wenig Ehrfurcht kannte, dass er sich auf den Boden setzte und begann, einen Stuhl zu schnitzen, mitten unter den Versammelten.
Noch immer kocht mein Blut, wenn ich daran denke. Respektlosigkeit nicht nur mir, sondern auch dem Reich und den Göttern gegenüber. Ich danke dem Allvater das er mir Anja zur Seite gab die mein Gemüt mäßigen konnte. Wer weiß was sonst noch passiert wäre.
Solch Verhalten beschämt nicht nur den, der es beging, sondern jeden, der in seiner Gesellschaft stand. Ich frage mich, wie wir mit Völkern und Städten einen Bund schließen sollen, die sich nicht einmal im Angesicht eines Heiligtums zu benehmen wissen.

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Chronik des Hochkönigs, Eintrag 5

Ich musste mich zurückhalten, um nicht laut loszulachen, als mir mein Onkel seine Abschrift vom Aushang am Schwarzen Brett zeigte. Diese Zwerge kommen ja immer auf verrücktere Ideen.

Ich sei ein Tyrann, weil ich König sei, und das, obwohl ich zum Jarl gewählt wurde.

Doch sage ich, diese sogenannte Herrschaft des Volkes, was soll das sein?

Das Volk kann sich nicht selbst regieren. Der einfache Arbeiter, der einfache Bauer oder Soldat ist doch viel zu einfältig, um etwas Derartiges zu entscheiden. Nicht ohne Grund dürfen nur die freien Männer mit Besitz den Jarl wählen.
Und diese sogenannte Demokratie, was soll das sein? Es braucht immer noch große Männer, hinter die sich das Volk stellen kann, die es anbeten, verehren und denen es blindlings folgen kann. Sie wählen sich ihre eigenen Könige, auf Zeit, ja? Aber ändert diese Wahl wirklich etwas?
Wer garantiert, dass ihre Wahlen frei sind? Oder sind es nicht diejenigen, die es sich leisten können, mit Propaganda und Bestechung das Volk zu ihren Gunsten manipulieren, ohne dass es das überhaupt merkt? Der sogenannte Volksvertreter ist sich im Klaren, dass seine Amtszeit enden wird und dass er danach wieder ein normaler Bürger ist. Wer garantiert, dass er nicht seine Privilegien und seine Macht ausnutzt, um sich einen Vorteil zu verschaffen, für die Zeit danach? Dass er sich dem Willen Reicher oder Mächtiger, oder gar anderer Städte beugt, wenn sie nur Vorteile oder Geld versprechen? Wer garantiert, dass er wirklich zum Wohl der Stadt oder des Staats herrscht und nicht nur zu seiner eigenen? So frage ich, ist diese Demokratie wirklich derart moralisch überlegen, wie es dieser eingebildete Zwerge mit dem lächerlichen Namen behauptet?

Dass die Monarchie Zentraleuropas nicht gerecht ist, das ist mir bewusst. Mit dem Herrschaftsanspruch, vor Gott unanfechtbar, schafft man keine Gerechtigkeit, da man sich nicht rechtfertigen muss.

Doch dies ist nicht die Herrschaftsform Askariens. Ich bin der König von Asakrien, Monarch der Silberinsel und Jarl über Valkarath. Ich bin Herrscher, aber nicht unbeschränkt. Ich habe einen Rat unter mir, ich bin nur sein oberstes Organ. Ich bin abwählbar und mein Erbe, mein Sohn, muss vom Senat akzeptiert werden. So frage ich, ist dies nicht die viel bessere Variante?

Ich bin Führer des Reiches und damit für das Reich verantwortlich, es ist mein, so wie ich dem Reich gehöre und es dient mir so wie ich ihm diene. Wenn ich will, dass es mir gut geht, muss es dem Reich gut gehen, und wenn ich lange herrschen will, muss ich weise herrschen.
Wenn ich will, dass mein Sohn eines Tages mein Erbe übernimmt, muss ich ihn zu einem guten und gerechten Mann erziehen, damit der Senat sein Erbe anerkennt.

Ich bin Herrscher, ich bin König, jedoch mit der Pflicht, mich vor meinem Volk zu verantworten, und so auch mein Erbe. Ich strebe nicht nach persönlicher Bereicherung, da Askarien mir gehört und ich Askarien gehöre. Wenn Askarien untergeht, gehe ich mit unter, wenn es blüht, blühe ich mit ihm. Ich bin der Erste, der im Krieg zur Waffe greift, und führe meine Truppen an und verstecke mich nicht hinter meinen Mauern oder meinem Schreibtisch wie diese selbsternannten Moralapostel.
Ich behaupte von mir, ein weiser, gerechter und guter Mann zu sein, und mein Volk liebt mich dafür. Soll ich also ein Tyrann sein, nur weil wir keine regelmäßigen Wahlen haben? Soll mein Volk deswegen unterdrückt sein?

Oder blüht mein Volk und mein Reich nur gerade deswegen, weil wir es nicht haben? Weil wir keine gefälschten Wahlen haben, keine Korruption und Bestechung?

Ich sage, Askarien ist gerecht und ich bin gerecht, dafür stehe ich mit meinem Namen und meiner Ehre.

Ich bin Führer, kein Tyrann, ich bin Herrscher, kein Unterdrücker, ich bin Askariens erstes Schwert, kein Krieger, ich bin Kragan Korbenson von Sølvøya, Hochkönig Askariens.

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Chronik des Hochkönigs, Eintrag 6

Freude und Trauer zugleich prägen meinen Geist.
Die Freude das ich Anja, meine Geliebte, meiner Familie vorstellen konnte, meinem Onkel und sie gut aufgenommen worden ist. Doch ebenso auch Trauer. Trauer über den Verlust eines Bruders.
Murgan Dornherr, der Ork der mich seinen Bruder nannte, ich musste ihn seiner Ränge, Titel und Autorität entheben um eine diplomatische Eskalation mit Theonopolis zu vermeiden.
Natürlich war er selbst schuld. Ohne die Zustimmung, Absprache oder gar die Kenntnis des Reichssenats oder mir selbst hinauszuziehen und ein derartiges Angebot zu machen. Und dennoch bin ich nicht glücklich über den Verlust.
Auch wenn er es gut meinte und Theonopolis es falsch verstand, manche Worte können nicht ungesagt gemacht werden. Manche Worte können nicht mit Worten aufgewogen werden. Manche Worte müssen mit Taten beantwortet werden.
Und dies waren eben jene Worte. Und als Antwort folgte die Tat des Reichssenats.

Murgan Dornherr bleibt für mich ein Freund.
Doch er ist nicht mehr Kriegsherr und Drom Khaar ist kein Teil Askariens mehr.

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Chronik des Hochkönigs, Eintrag 6

»Theonopolis, die Stadt Gottes?«
Dass ich nicht lache.
»Hybripolis, die Stadt des Hochmuts und der Arroganz.«
Das passt viel besser.

Ich habe ihnen eine Hand gereicht. Eine Hand der Vernunft, des Friedens und der Verständigung.
Ich habe Fehler eingestanden, Opfer gebracht, meinen eigenen Kriegsherrn fallen lassen, um den Frieden zu wahren.
Ich wollte zeigen, das ich nicht der Kriegstreiber, der Tyrann bin, den meine Feinde aus mir machten. Ich wollte guten Willen zeigen.

Doch was war der Dank?
Aus dank schreiben sie: » … dass selbst im Hochkönigreich Vernunft noch nicht gänzlich verloren ist.«
Und das sagen sie? Die meine Seherin als Hexe verbrennen wollten? In deren Stadt wie viele Regierungen mittlerweile schon mit Gewalt gestürzt worden sind?
So frage ich, wer hat seinen Stolz geschluckt um sich der Vernunft hinzugeben? Und wer strotz nur so vor falscher Hybris und Arroganz?


Ich habe ihnen eine Hand gereicht, und die andere, die Hand des Kriegsherrn, abgeschlagen. Für sie, für den Frieden

Ganz wie es in ihrem heiligen Buch heißt.

Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, so hack sie ab und wirf sie weg! Es ist besser, verstümmelt zu sein, als unversehrt in die Hölle zu kommen
Matthäus 5,30

Doch was tun sie?
Anstatt meine Hand in Freundschaft zu nehmen, versuchen sie mir den Arm herauszureißen und ihn blutend als Trophäe über ihre Köpfe zu halten.

Ich habe mich bemüht, den Frieden zu bewahren. Ich habe geschwiegen, als man Unrecht von mir verlangte, um des größeren Ziels willen.
Aber ich vergebe, zum Wohl meines Volkes, meines Reiches, meiner Familie, aber ich vergesse nicht

Das werde ich nicht vergessen.
Das wird der Reichssenat nicht vergessen.
Askarien wird das nicht vergessen.

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Chronik des Hochkönigs, Eintrag 6

Es ist getan
Die Verhandlungen sind abgeschlossen, mit Erfolg.
Der Jarl von Mjosfell, den Anja als ihren Vormund erwählt hatte, nahm mir gegenüber Platz und wir verhandelten auf Augenhöhe, mit Erfolg
Wir sprachen von Land und Recht, von Pflicht und Freiheit.
Von einer Verbindung, die nicht aus Zwang geboren wurde, sondern aus gegenseitigem Vertrauen. Der Jarl zeigte sich würdig seines Amtes, achtete den alten Kodex und verstand, dass er Anjas Sicherheit ist, zuständig dafür das ich den Vertrag halte, und sie nicht verkaufen kann wie ein Vater.
Und so verliefen die Gespräche ruhig, ja beinahe feierlich. Kein Streit, kein Misstrauen. Als wir das Pergament unterzeichneten, war der Raum still, nur das Knistern der Fackeln begleitete den Schwur. Der Jarl setzte sein Siegel und ich das Meine.

Als ich Anja danach in die Augen sah, wusste ich, dass kein Gold, kein Land und keine Krone mehr Gewicht haben als das, was wir einander gaben, ein Versprechen, das vor den Göttern steht und von ihnen behütet wird.

Nun ist sie meine Verlobte, in allen Rechten und Ehren, wie es das Gesetz und der Glaube gebieten. Und doch, trotz all der Feierlichkeit, bleibt in mir dieses stille Staunen, dass ich nach allem, was war, noch einmal so etwas wie Frieden finden durfte.

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