Die Rückkehr des Erzmedikus

Als das letzte Schiff den Lohengrinner Hafen verließ und gen Heimat segelte wusste Lionel nicht was ihn in der Heimat erwartete. Die letzten Wochen in Parsifal waren für ihn eine schwere Zeit. Erst verließ ihn sein Bruder William, welcher in der Zwischenzeit König von England wurde, und nur kurze Zeit später übermittelte eine Taube das Ableben des Königs. Doch das war erst der Anfang allen Übels, was über Lionel kam.

Erst verabschiedete sich Jenny of Antwerp und dann noch sein Bruder John. Beide zogen nach Canterbury um dort ein Krankenhaus zu errichten, welches in Miningham gescheitert war. Für Lionel brach eine Welt zusammen und er wusste nicht was er noch machen sollte. Oftmals stand er auf der Spitze des Domes und wollte alles beenden. Der Fall war für ihn die einzig richtige Entscheidung, so konnte er mit seinem Bruder verbunden bleiben. Dennoch zog ihn etwas immer wieder zurück. In mitten einer stürmischen Nacht hatte Lionel eine Vision in der er sich selbst sah, wie er zum König Englands gekrönt wird. Das Bild erleichterte Lionel sehr, aber die tiefe, aber dennoch sanftmütige Stimme verängstigte ihn. Die Stimme die sehr der seines verstorbenen Bruders ähnelte sprach, dass Wörter nie der Wahrheit entsprechen müssen. Lionel wusste, dass nun die Zeit gekommen ist zu gehen um die Wahrheit zu erkennen. Er packte den ganzen Tag über seine wichtigsten Besitztümer. Er packte seinen Rucksack voll mit Büchern, Federkielen und Tintenfässer, natürlich packte er auch den Totenbrief seines Bruders ein, um weiter über ihn nachzudenken. Am späten Nachmittag suchte Lionel am Mininghammer Hafen den letzten Kapitän auf um mit ihm in die Heimat zu segeln. Einige Stunden später stand Lionel am Bug des großen Dreimasters und schaute gespannt in die untergehende Sonne. Er wusste, es wird ein Abendteuer, aber welches wusste nur der Herr Gott allein.

Es vergingen viele Wochen auf hoher See, als plötzlich am Horizont die weißen Klippen von Dover zu erkennen waren. Lionel überkam ein Gefühl von Heimat, welches sich langsam mit Angst zu vermischen begann. Er war so nah an seinem Ziel und an der Wahrheit hinter dem Tod seines Bruders. Es wurde Abend und dann Nacht als das Schiff im Fackelschein in Dover anlegte. Keiner der Hafenarbeiter erkannte Lionel. Es war schon über zwei Jahre her, dass Lionel englischen Boden unter den Füßen hatte. Der Kapitän besorgte Lionel und sich selbst einen Schafplatz in einem der vielen Gasthäuser von Dover, bis sie weiter in Richtung London reisen konnten. In dieser Nacht schlief Lionel so gut, wie lange nicht mehr.

Am frühen Morgen des nächsten Tages, noch bevor die Sonne die weißen Klippen erstrahlen konnte, begaben sich Lionel und der Kapitän auf die lange Reise nach London. Auf der Reise lagerten sie oft in verschieden Städten um sich immer wieder nach dem König zu erkundigen. Doch immer bekamen sie die gleichen Antwort zuhören. Der König ist Tod und der Thron ist leer. Das Volk nannte diese Zeit, das Jahr des leeren Thrones.

Nach einigen Tageszyklen kamen Lionel und sein Begleiter in London an. Sie durchquerten viele verschiedene Stadtteile und Lionel war überrascht was in seiner Abwesenheit alles passiert ist. Die große Kirche unweit des Palastes war zum großen Teil überwölbt und einige neue Brücken überzogen die breite Themse. Lionel entschied sich bevor er zum Königspalast zog, sich noch ein letztes Mal ein Zimmer in einem Gasthaus zu mieten. In dieser Nacht träumte Lionel wieder von sich selbst als König von England.

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Gasthaus stieg Lionel wieder auf sein Pferd und ritt in Richtung des Königshauses. Am Königshaus angekommen wurde Lionel selbst abgewiesen. Doch dann mischte sich sein treuer Begleiter ein. Er erzählte ihm die Geschichte und die Ereignisse in Parsifal und weshalb Lionel wirklich der ist der er sagt zu sein. Schon kurze Zeit später entriegelte sich das große hölzerne Tor und ließ die beiden samt Wache passieren. Lionel und der Kapitän wurden in einen großen Saal geführt. Der Saal war mit großen Wappen und Fahnen aller englischer Ländereien und Adelshäusern behangen. Am Ende des Saales stand ein großer hölzerner Thron, von diesem aus wurden Lionel und sein Begleiter gerufen. Beide waren von Ehrfurcht ergriffen als sie durch den Saal schritten. Ihre Schritte und die Stimme vergingen im Hall des großen Raumes.

Auf dem Thron saß eine ältere Dame und hörte die beiden an. Lionel erzählte ihr die ganze Geschichte, mit vielen Einzelheiten doch die gewünschte Reaktion blieb aus. Die ältere Dame rief die Wachen und befahl ihnen die beiden Lügner zum Scharfrichter zuführen. Lionel bekam er mit der Angst zu tun, als die Wachen die beiden packten und schon in Richtung der Tür schliffen. Plötzlich rief der Kapitän, dass wir eine Beweis besitzen. Alle Personen um sie herum schauten ihn sprachlos an. Der Raum war erneut für einen Moment in eine bedrückende Stille getaucht bis der Kapitän anfing zu sprechen. Er forderte Lionel auf den Totenbrief seines Bruders herauszuholen. Dies tat Lionel auch und überreichte ihn der Dame auf dem Thron. Die Dame las sich das Schreiben durch und flüsterte etwas zu einem der Wachen. Diese verschwand daraufhin und kehrte mit einem älteren eher dicklichen Mann zurück. Der Mann trug ein rotes Gewand mit einer roten Kappe. Er stellte sich als Erzbischof von Canterbury vor, nahm das Schreiben an sich und schaute Lionel einige, gefühlt endlose, Momente an und rief nur: ‚‘ Your Majesty’’. Die Dame stand auf und ihr liefen die Tränen über das Gesicht, als sie Lionel in den Arm schloss. Die Dame entpuppte sich nach einem Gespräch als seine Großmutter. Seine tiefe Abneigung ihr gegenüber behielt Lionel für sich.

Nach vielen endlosen Tagen am Hofe, kam endlich der Tag auf den sich Lionel so sehr freute. Er wurde König von England. Am frühen Morgen verließ die Kutsche London, gefolgt von hunderten Wappenträgern und vielen Bürgern Londons.

In Canterbury angekommen begann einige Tage später die große Krönungsfeier. Das Glockengeläut zu Beginn der Krönung konnte man noch in einigen Meilen Entfernung hören. Nach dem Geläut begann die Krönung nach vielen Reden und Segenssprüchen wurde Lionel die englische Krone auf den Kopf gesetzt. In diesem Moment sprach die selbe Stimme, wie in der Vision, welche er vor langer Zeit gehört hat. Die Stimme sprach immer noch die gleichen Worte. Lionel erschrak und unterbrach die Krönung. Er erzählte der Menge seinen Weg den er bis hier her genommen hat, erzählte von den Briefen seines Bruders, vom Totenbrief und dem unheimlichem Gefühl, dass hinter den Worten in dem Brief mehr steckt, als das was nur dort geschrieben. Er erzählte von seinen Ängsten und seinem innerlichen Gefühl, dass William nicht verstorben er ist. Ein Raunen fuhr durch die Menge, als Lionel zusammenbrach.

Lionel wachte einige Zeit später im nahegelegen Hospital auf. Da standen auch John und Jenny bei seinem Bett. Beide schauten Lionel mit einem breiten Lächeln an und zeigen auf eine Person, in der hinteren Ecke des Raumes. Die Person kam leisen Schrittes auf die drei zu und sprach mit sanfter und tiefer Stimme. Lionel erschrak und fing stottern, bekam aber kein Wort raus. John beruhigte Lionel und erklärte ihm alles. Alles , weshalb er König geworden ist und William tot ist. Lionel bekam ein beklemmendes Gefühl in der Brust. In diesem Moment betrat seine Frau Elisabeth das Zimmer ,setzte sich auf die Kante des Krankenbettes und hielt seine Hand. Die Hand seiner Frau beruhigte Lionel sehr. Schon wenige Tage später verließ Lionel das Krankenhaus wieder, doch wo die Person mit der tiefen, sanftmütigen Stimme hin ist, wusste Lionel nicht. Er erkundigte sich bei John über den Verbleib, aber dieser sagte nur ‚‘ Worte müssen nie der Wahrheit entsprechen’’. Mit diesen Worten konnte Lionel zwar nun mehr anfangen als vorher, aber weiter brachte es ihn nicht. Wenige Tage nach diesem einschneiden Ereignis im Krankenhaus von Canterbury wurde Lionel zum König von England gekrönt.

Lionel kehrte nun zurück an den Königshof und empfing schon kurze Zeit später die ersten Bittsteller. So verbrachte Lionel die ersten Tage als neuer König von England. Aber dennoch ließ ihn der geheimnisvolle Mann nicht in Ruhe. Tag ein Tag aus dachte er immer wieder über diese Stimme nach, bis er sich entschied das Grab seine Bruders aufzusuchen. Dies tat er dann auch einige Tage später am Tag es heiligen Adolphus. Lionel war ein großer Anhänger des Heiligen und legte, wie es ihm bekannt war ein Stück eines Schiffes auf das Grab. Lionel war bewusst alleine zum Grab seines Bruders gegangen, um die Stille zu genießen. Er setze sich auf eine kleine Bank neben dem Grab und schaut sehnsüchtig in den Himmel, bis jemand plötzlich eine Hand auf seine Schulter legte. ‚‚Da bist du ja, Lionel‘‘ sagte die sanftmütige Stimme. Lionel erschrak und drehte sich um und blicke in die Augen seines Bruders. William! schrie es aus Lionel heraus, aber William unterdrückte die Freudenrufe Lionels. Lionel wusste nicht wie ihm geschieht und war ganz verwirrt wie William neben ihm stehen konnte, aber gleichzeitig tot sein sollte. William nahm Lionel an die Hand und sie setzen sich und die alte Eiche auf dem Friedhofsgelände. Er fing an zu erzählen. Eine Großteil der Geschichte kannte Lionel, wie William zu ihm gekommen ist und was sie gemeinsam in Miningham erreichen wollten, aber alles was nach seiner Abreise nach England geschah wusste Lionel nicht.

William fing an zu erzählen, dass Lionels wahrer Bruder William auf einer Schiffsreise mit dem weißen Schiff zu der Großmutter nach Frankreich in einen schweren Sturm geraten ist und dabei samt Gefolge ums Leben gekommen ist. Davon wusste, aber keiner außer die elfischen Freunde aus dem Lande Parsifal, sodass sie ihren Sohn, der dem englischen König sehr ähnlich sah nach Frankreich schickten um dort alles zu klären, damit Lionel den Thron besteigen kann und nicht die Großmutter. Der elfische William reiste zurück nach Canterbury um sich dort mit John, Jenny und dem Erzbischof zusammenzusetzen um alles zu erklären. Daraufhin setzte der Erzbischof den Totenbrief auf, welcher vom elfischen William nach Parsifal gebracht werden sollte. William erzählte weiter, dass er selbst immer wieder in Lionels Nähe war. Ob auf den Weltenräten oder in NoviDomini. Damit Lionel keinen verdacht schöpft, war William unter einem andern Namen unterwegs.

Lionel begriff langsam, dass sein richtiger Bruder tot ist, aber der elfische Doppelgänger ihn dabei unterstützt hat König von England zu werden, da sonst die Thronfolge an die Großmutter gehen würde. das hätte erneute Probleme über England gebracht, die keiner gebraucht hätte.

Lionel umarmte William und fing an zu Weinen. Mehr als ein Danke kam nicht aus ihm heraus. Kurze Zeit später stand William auf und verschwand spurlos, als Jenny und John auf ihn zukamen. Sie nahmen ihn mit in den Palast um ihm dort einen alten bekannten vorzustellen. Es war Markus Northburg, Lionel kannte ihn noch aus der Gründungszeit von Miningham, wurde aber von William und Lionel nach Canterbury geschickt um dort in den Messen zu dienen. Markus blieb noch einige Tage gemeinsam mit Lionel in London, bis sich die Lage dramatisch ändern sollte…

Wie jeden Morgen spazierte Lionel durch die Schlossgärten um sich die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf sein Gesicht scheinen zu lassen, als plötzlich John polternd durch den Garten rannte. Schnaufend erzählte John, dass die Großmutter den elfischen William als Eindringling identifiziert hat und ihn in den Tower of London gesperrt hat. Nun soll sich Lionel vor seiner Großmutter für sein Verhalten rechtfertigen. Lionel verweigerte dies und beschloss per königlichem Dekret William freizulassen und Verbot ihm weiterhin in England zu leben. Im Verborgenem packte Lionel gemeinsam mit Markus einige Sachen um zurück nach Parsifal zu Reisen. Das sollten auch nur John, Jenny und der Erzbischof wissen. Um das Volk nicht erneut zu verunsichern, wurde diesem gesagt, dass sich Lionel und Markus in den Palast zurückgezogen haben und John der Sprecher des Königs geworden. In Wirklichkeit, aber sind Lionel und Markus in mitten einer Neumondnacht zurück nach Parsifal gereist. An seiner statt, sollte John nun regieren. Zwar als Prinz und nicht als König.

So zogen Lionel und sein treuer Begleiter Markus, sowie der Kapitän zurück nach Parsifal, wo sich Lionel von Miningham endgültig trennte, um sich auf einem kleinen Hof niederzulassen.

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