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Quelle: seaart.ai
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Geschlecht: weiblich
Alter: 117
Rasse: Elf
Kultur: Verzynia
Geburtstag: 2. November
Beruf: Rekrutin und Medica
Religion: rĂśmisch-katholisches Christentum
Wohnort: Thyma Dorei
Herkunft: Altes Bergdorf am Elfenkontinent
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âDu siehst aus, wie die Dämmerung.â
Ihre Haut ist sehr bleich, wie Mondlicht auf Schnee. Lange, dunkel-tĂźrkisfarbene Haare flieĂen ihr bis zur Taille, leicht gewellt, wie Wasser im Schatten.
Ihre violetten Augen blicken ruhig, durchdringend â selbst in der Dunkelheit leuchten sie wie zwei glĂźhende Splitter. Ihre Ohren sind spitz zulaufend, typisch fĂźr Elfen, fein geschwungen und elegant.
Mit 1,71 Metern ist sie von zierlicher Statur, schlank und petit, doch mit einer aufrechten, geschmeidigen Haltung. Unter der feinen Gestalt verbirgt sich erstaunliche Kraft â nicht die rohe Gewalt, die Muskeln prahlen lässt, sondern eine stille, disziplinierte Stärke, die aus jeder Faser ihres KĂśrpers spricht.
Um ihren Hals, an den Handgelenken und in den Haaren trägt sie silbernen Schmuck â filigran gearbeitet, graviert mit alten, elfischen Runen.
Auffallend ist besonders ein alter Ring an ihrer linken Hand.
âDraâghaero thra graĹşuroâ ist dort auf altelfisch eingraviert.
Ăbersetzt: âĂberleben des Stärkstenâ
Quelle: Pinterest
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Ihre Kleidung ist meist auf Beweglichkeit und Funktionalität ausgelegt. Sie trägt immer einen Dolch mit sich, unauffällig im Ărmel versteckt oder geschickt im Stiefel deponiert.
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Auf den ersten Blick wirkt Azula ruhig, kontrolliert und geheimnisvoll. Ihr Blick ist aufmerksam und durchdringend, ihre Haltung geschmeidig. Ihre Maske aus Gelassenheit und Selbstbeherrschung lässt kaum erkennen, was in ihr tobt.
Sowohl geistig als auch emotional ist sie sehr Intelligent.
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HĂźbsch maskiert
Azula trägt stets eine undurchdringliche Maske. Ihr Blick bleibt ruhig, ihre Stimme kontrolliert â selbst wenn es in ihr tobt.
Sie zeigt, was sie zeigen will.
Und oft ist das: nichts. Ihre Mimik bleibt stets unberĂźhrt, doch ihr Herz ist alles andere als kalt. Sie ist ein Meister der Selbstbeherrschung.
Scharfsinnig und analytisch
Azulas Augen sind unermĂźdlich wachsam. Wie zwei scharfe Klingen, die unaufhĂśrlich die Welt um sie herum abtasten. Sie liest zwischen den Zeilen, erkennt LĂźgen, spĂźrt jede Absicht. Stets ist sie ihrer Umgebung einen Schritt voraus â nicht aus Arroganz, sondern aus zwanghafter Wachsamkeit. Denn wo andere Vertrauen schenken, sucht sie nach einem Dolch im Schatten.
UnerschĂźtterlich und zielstrebig
Sie ist wie Stahl im Sturm. Schmerz, Chaos, Verlust â sie trägt es, schweigend und aufrecht. Nichts bringt sie vĂśllig zu Fall. Ihre Stärke liegt im Durchhalten, wenn alles andere zerbricht.
Charmant und gewinnend
Trotz ihrer inneren AbgrĂźnde weiĂ Azula, wie man Menschen einnimmt. Ihr Lächeln kann entwaffnend sein, ihre Ausstrahlung faszinierend. In Gesprächen ist sie schlagfertig, manchmal sogar humorvoll â auf eine trockene, messerscharfe aber auch freundliche Art.
Empathisch
Hinter der kontrollierten Fassade liegt ein tiefes, feinfĂźhliges Wesen. Azula ist empathisch, mit einer besonderen Sensibilität fĂźr die GefĂźhle anderer. Auch wenn sie nach auĂen oft kĂźhl erscheint, empfindet sie stark â oft mehr, als ihr lieb ist.
Zugewandt und fĂźrsorglich
Sie kann eine sehr freudige, warme Elfe sein und wenn sie mal grinst, kommt es von Herzen. Es ist ihre verletzliche Seite, eine, die Vertrauen und Zuneigung beweist.
Wer ihr Vertrauen gewinnt, erfährt eine andere Seite: loyal, warm, beinahe zärtlich. Nur zeigt sie selten, wie viel ihr jemand bedeutet.
Loyal und pflichtbewusst
Wer ihr wichtig ist, kann auf sie zählen. Azula hält Wort, auch wenn es weh tut. Ihre Treue ist still, aber tief â und ihre Pflicht nimmt sie ernster als ihr eigenes Wohl.
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â§Ëââ˘âââââŚâ˘âŕšâ ⯠ââ´ď¸Ë・â âŻâ ŕšââ˘âŚâââââ˘â§âËâš
Beziehung zum Glauben
Azulas Beziehung zum Glauben ist ein Anker, wenn Schuld und Erinnerungen sie zu zerreiĂen drohen. Sie sucht darin Ruhe, Vergebung und Hoffnung, auch wenn sie oft zweifelt, ob sie Gnade verdient. Der Glaube ist ihr letzter Schild gegen das GefĂźhl, endgĂźltig verloren zu sein.
Essensgewohnheiten
Sie vermeidet bei MĂśglichkeit den Konsum von Fleisch.
Ein edles Glas Rot ist ihr liebster Trank.
Sie bekannt fĂźr grauenhafte KochkĂźnste.
Vorlieben
Sie liebt das Meer, Gewässer im Allgemeinen. Vermutlich sieht sie darin eine Ruhe, die sie in sich selbst schon lange sucht.
AuĂerdem hat sie eine Schwäche fĂźr silberne SchmuckstĂźcke.
Beweglich und agil
Azuka kann sich biegen, drehen und strecken, als gäbe es keine Grenzen. Ihre Bewegungen haben etwas Tänzerisches, und doch sind sie scharf und präzise wie die Klinge eines Dolchs. Ein Verdienst des Zirkuslebens. Oft findet man sie auf Dächern oder SchiffsÂmasten, wo sie lautlos verweilt und von Oben alles beobachtet.
Stille Beobachter
Azula verachtet Raben und Krähen. Es ist keine Furcht, doch sie empfindet die gefiederten Schatten als unheilvoll. Wie ein bÜses Omen. Als wären sie die einzigen, die ihre Fassade durchschauen.
Fluch der Dämmerung
Als Verzynia leidet auch Azula am Fluch der Dämmerung. Doch sie hat frĂźh gelernt, Schmerz zu verschlieĂen wie ein Geheimnis. So werden ihre Augen bei Dämmerung nur etwas glasiger â mehr verrät sie nicht.
Der Nachtschatten
Azulas Deckname stammt von der BlĂźte.
Ihre kßhles Erscheinen, das tiefe Violett ihrer Augen und die Blässe ihrer Haut erinnern an die betÜrende aber tÜdliche Blßte. Wie die Blume, verbirgt auch sie ihr inneres Feuer unter kontrollierter Fassade.
So stellt sie sich oft als âNachschattenâ vor, um ihre Identität versteckt zu halten.
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Lautlos und agil
Azula bewegt sich wie ein tanzender Schatten â schnell, präzise, lautlos.
Agil und wendig meistert sie jedes Gelände, weicht Angriffen mit instinktiver Eleganz aus und kämpft mit einer KÜrperbeherrschung, die an Tanz erinnert.
Personenlesen
Azula beobachtet ständig und unermĂźdlich â jede Geste, jedes ZĂśgern, jeder Blick verrät ihr etwas. Und sie schweigt, bis es Zeit ist, zu handeln.
Magisches Talent
Azula besitzt ein feines Gespßr fßr Magie. Im Kampf setzt sie sie präzise und gefährlich ein, im Alltag kreativ und unauffällig, und in der Heilkunde sanft und wirkungsvoll.
Eigenständigkeit
Sie braucht und will niemanden, um zu funktionieren â das hat sie frĂźh gelernt. Azula ist stolz darauf, auf eigenen FĂźĂen zu stehen, selbst wenn es schmerzt.
Taktisches Denken
Azula plant voraus, denkt in mehreren ZĂźgen, wägt ihre Optionen ab â selbst in emotionalem Ausnahmezustand.
Kälteresistenz
Frost und Regen haben sie noch nie gestÜrt. Kälte ist ihr ein vertrauter Begleiter. Selbst bei eisigen Temperaturen trägt sie oft nur eine luftige Bluse.
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Angst vor Feuer
Die Narben ihrer Vergangenheit sitzen noch heute tief. Doch wĂźrde sie ihre Furcht niemals offen zugeben.
Leise Selbstquälerei
In ihr tobt ein stiller Krieg gegen sich selbst.
Azulas Vergangenheit ist ein ständiger Begleiter. Es gibt kaum einen Moment, in dem die Erinnerungen sie nicht heimsuchen. Wie Splitter graben sie sich in jeden Gedanken. Sie kann nicht loslassen.
Sehr misstrauisch
Auch wenn Azula ihr Misstrauen versteckt, begegnet sie jedem mit Vorsicht. Das gilt selbst fĂźr Personen, die sie schon lange kennt.
Hilfeabweisend
Azula weist Hilfe fast immer zurĂźck â egal worum es geht. Aus Stolz, Misstrauen und der tiefen Angst, enttäuscht zu werden.
Wahrheitstier
Sie verabscheut das LĂźgen. Weicht sie von der Wahrheit ab, so Ăźberschwemmt sie ein GefĂźhl schrecklichen Scham und Ekels. Sie weiĂ nicht, wieso.
Hitzeempfindlichkeit
Hitze und Wärme findet die Elfe nur schwer zu ertragen. Schnell wird ihr Gesicht blass und der Atem flach.
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Spezifische Kenntnisse:
Heilkunde
Giftkunde bzw Toxikobotanik
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Sprachliche Kenntnisse:
Menschliche Sprache
AmatĂŠ
Spanisch (leichte Kenntnisse)
.
Schriftliche Kenntnisse:
Menschliche Sprache
Altelfisch (leichte Kenntnisse)
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Spielt diverse Instrumente
Quelle: Pinterest
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Rasendes Herz
Der Anwender erhĂśht die Schnelligkeit, in welcher das Blut durch seinen eigenen oder den KĂśrper des Zieles flieĂt. Er kommt rascher zu HĂśchstleistungen und wird schneller.
â (Agilität erhĂśht)
Dunkle Tortur
Der Zauber ruft schreckliche Schmerzen im Inneren des Opfers hervor. Sie fĂźhlen sich wie Wellen von Nadelstichen, fieberhafte SchĂźbe, eiskalte Bäder oder weitere Grausamkeiten an. Zu oft wird er zur Folter verwendet, da er keine Spuren auĂer dem Leiden des Opfers hinterlässt.
â (Schaden + RĂźstungsdurchdringung)
Dämonische Ketten
Der Anwender wirkt schwarze Magie und beschwĂśrt dunkle Ketten aus dem Schatten eines Zieles. Diese wickeln sich um einen Arm oder ein Bein und verhindern zwar keine Bewegungen, jedoch das Wirken von Magie.
â (Magieunfähigkeit)
Blutgabe
Das Blut eines Fremden oder des Magiers selbst wird geopfert, um eine heilende Wirkung am Ziel zu beschwÜren. Es fßhlt eine wohlfßhlende Frische in sich, welche seine Adern durchstrÜmt. Sämtliche Wunden auf der Haut hÜren auf zu bluten und bilden eine oberflächliche Kruste.
â (Heilung)
Alltagsmagie
Quelle: Pinterest
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ââââââ âď˝ĄË Zwischen Eis und BlĂźten â.°âââââââ
Azula wurde in einem abgelegenen Bergdorf, umgeben von eisigen Gebirgsspitzen und dunklen Fichtenwäldern geboren. Es war ein Zufluchtsort fĂźr groĂ und klein, von Ork bis Zwerg. VerstoĂene, Verräter, AuĂenseiter der Gesellschaft.
Und so fand dort auch Azula ihren Platz.
Azula lernte ihren Vater nie kennen. Fßr sie war er nur eine Erzählung, ein ferner Nebel der Vergangenheit. Doch ihre Mutter liebte sie umso mehr.
Quelle: Pinterest
ââââââ âď˝ĄË Wenn das Licht lĂźgt â.°âââââââ
Triggerwarnung: Blut, Gewalt, Tod
Die KĂźche roch nach Brot und Honig. Eine kleine Motte schwirrte durch den Raum.
Sonnenlicht drang auf den Steinboden, golden und ruhig. Azulas Mutter lachte während sie mit einem groĂen LĂśffel eine Suppe rĂźhrte.
Dann â ein Krachen.
Es war ein fremdes Geräusch. Hart. Schwer. Metallisch.
Dann Stimmen.
Rufe.
Schreie.
Ihre Mutter erstarrte. Nur fĂźr einen Moment â dann riss sie Azula am Arm.
âIn den Kasten. Jetzt!â flĂźsterte sie scharf, schneller als ihr Atem.
Azula gehorchte. Sie wurde hineingeschoben, eine Decke hinter ihr â und dann fiel die kleine HolztĂźr zu. Nicht ganz. Ein schmaler Spalt blieb offen. Sie wollte rufen. Fragen. Aber ihre Stimme blieb stecken, irgendwo zwischen Kehle und Herz.
DrauĂen hĂśrte sie Schritte. Poltern. Etwas zerbrach.
Dann: die TĂźr zur KĂźche.
Ein Mann trat ein. Schwer atmend. Dunkle Kleidung, Dreck an den Stiefeln. Ein goldener Ohrring. Ein verstĂźmmeltes Ohr. Etwas in der Hand â eine Waffe? Eine Axt?
Ihre Mutter stellte sich ihm entgegen. BarfuĂ, zitternd, aber aufrecht.
Azula hielt den Atem an. Ihre Finger bohren sich in die Decke.
Ihre Kehle schnĂźrte sich zu.
âNimm, was du willst. Aber geh.â
Die Stimme ihrer Mutter war ruhig. Zu ruhig.
Der Mann sagte nichts.
Dann bewegte er sich. Schnell. Brutal.
Azula zuckte zusammen. Ihre Mutter wehrte sich, schrie auf.
KĂśrper stieĂen gegeneinander. Ein Stuhl kippte um. Ein schriller Schrei.
Ein dumpfer Schlag. Dann noch einer.
Und dann â Stille.
Azula wagte kaum zu atmen. Sie presste ihre Hände fest auf ihren Mund. Ihr Herz raste. Durch den schmalen Spalt sah sie, wie ihre Mutter am Boden lag.
Die Augen offen. Der Blick leer. Eine PfĂźtze, ein tiefes Rot wuchs unter ihr.
Der Mann stand noch einen Moment da.
Dann drehte er sich um und verschwand.
Azula blieb regungslos.
Sie wusste nicht, wie lange.
Nur, dass die Luft im Schrank immer dĂźnner wurde.
Und dass nichts auf der Welt mehr sicher war.
Es war eine schreckliche, erdrĂźckende Stille.
Ihre Knie zitterten. Ihre Finger krallten sich noch fester in die Decke, bis die Nägel das Holz darunter spßrten.
Sie hĂśrte nichts mehr. Kein Poltern, keine Schritte. Kein Atemzug auĂer ihrem eigenen, der schnell und unregelmäĂig ging, als wĂźrde die Luft nicht reichen.
Dann wagte sie, sich zu bewegen.
Zentimeter fĂźr Zentimeter drĂźckte sie die KastentĂźr auf.
Der Raum war still. Zu still.
Die Sonne fiel noch immer durch das Fenster â aber das Licht wirkte falsch. Wie eine LĂźge.
Ihre FĂźĂe berĂźhrten den kalten Boden. Sie stand nicht richtig auf, sie kroch.
Ihre Mutter lag da.
Reglos.
Die Augen halb offen. Der KĂśrper seltsam verdreht.
Azulas Beine gaben nach.
Sie fiel neben sie, schlug auf den kalten Fliesen auf, aber spĂźrte es kaum. Tränen kamen ohne Vorwarnung, ohne Stimme. Dann ein Laut â ein leises, kindliches Schluchzen, das sich in einen Schrei verwandelte.
âMama ⌠bitte âŚâ
Sie schĂźttelte sie an der Schulter. Ganz leicht.
Dann stärker.
âMama ⌠steh auf âŚâ
Sie rßttelte noch stärker. Verzweifelt. Frustriert.
Aber nichts bewegte sich.
Nichts.
Nur ihr eigener Atem, der rissig durch ihre Kehle ging.
Sie weinte. Nicht in Tränen, sondern in StĂśĂen. Der Schmerz war zu groĂ fĂźr ihren kleinen KĂśrper. Er zerriss sie von innen, ohne Worte. Etwas in ihr schrie, und sie konnte es nicht aufhalten.
Dann roch sie es.
Rauch.
Er kroch unter der TĂźr hindurch.
Sie blinzelte.
Sah, wie am Rand der KĂźche oranges Licht flackerte.
Flammen.
Sie rĂźhrte sich nicht.
Wollte nicht.
Wollte bei ihrer Mutter bleiben.
Egal was kam.
Dann hĂśrte sie es.
Ein Lachen.
Dumpf. Rau.
Ein dunkler Schatten am Fenster: âBrennt gut, was?â
Azula erstarrte.
Panik Ăźberrollte den Schmerz.
Hitze breitete sich aus. Der Rauch wurde dichter, die Luft schwerer.
Sie presste ein letztes âNein!â zwischen den Zähnen hervor, dann riss sie sich los. Sie stolperte, fiel, kroch weiter. Die Hitze biss in ihre Haut, der Rauch schnitt ihr in die Kehle.
âMama!!â schrie sie â nicht aus Hoffnung, sondern aus Verzweiflung.
Ein letzter Schrei, der alles enthielt: Angst, Schmerz, Abschied.
Dann rannte sie.
Blind.
Weg.
Raus.
ââââââ âď˝ĄË Der Wanderzirkus Symphonio â.°âââââââ
Stiefeltritte. Langsam. Ein Schatten, der näherkam.
Ein Mann stand Ăźber ihr. GroĂ, mit einem dunklen Mantel, der bis fast zum Boden reichte. Seine Hände trugen edle Ringe, sein Gesicht war kantig, aber nicht kalt. Die Augen jedoch â die blieben wachsam.
Er kniete sich hin.
âLebst du?â fragte er.
Azula antwortete nicht.
âGut. Dann ist noch Zeit.â
Sein Name war Ronaj Mitroskor, wie er später sagte, mit einem kleinen Bogen und einem spÜttischen Lächeln, das eher fßr sich selbst bestimmt war.
Direktor des Wanderzirkus Symphonio.
âWir nehmen, was der Wind bringtâ, sagte er. âUnd dich hat er wohl direkt aus der HĂślle geweht.â
Er blickt sie einen Moment lang stumm an.
âDu bist ein hĂźbsches Mädchen.
Du siehst aus ⌠wie die Dämmerung.â
Dann reichte er ihr die Hand.
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Quelle: Pinterest
Der Zirkus war kein Ort, sondern ein Zustand.
Er bestand aus bunt geflickten Zelten, die nie ganz gleich aufgeschlagen wurden. Aus Wägen mit bemalten Rädern und bunten Laternen. Und aus Menschen, die anders waren als die, die sie kannte â lauter, freier, fremder.
Symphonio war Musik im Chaos. TagsĂźber Ăźbten sie: Akrobatinnen, Messerwerfer, Jongleure, TierfĂźhrer. Abends brannten Fackeln. Das Leben dort hatte einen Rhythmus. Und sie begann, sich daran festzuhalten.
âDu schläfst, wenn du mĂźde bist. Isst, wenn du hungrig bist. Und wenn du schreien willst â tu es leise.â, wurde ihr erklärt. Und so lebte Azula fortan im Zirkus.
In Symphonio bedeutete Herkunft nichts. Nur das, was du heute leisten konntest.
ââââââ âď˝ĄË Zwischen Stolz und Schmerz â.°âââââââ
Ronaj Mitroskor
Azula war jung, und Ronaj war fĂźrsorglich.
Er sorgte fĂźr warmes Essen, fĂźr weiche Strohsäcke zum Schlafen, fĂźr bunte KostĂźme in allen Farben. Und er liebte sie â oder etwas, das ihr ähnlich war. Vielleicht sah er eine Tochter in ihr. Vielleicht nur eine goldene Gelegenheit, ein talentiertes Kind, das nach seiner Pfeife tanzte.
FĂźr Azula war er alles. Ein Vater, wie sie nie einen hatte. Belesen, gebildet, charmant. Ihre groĂen Augen funkelten, wenn sie ihn beobachtete â auf der BĂźhne, in der Manege, Ăźberall, wo Licht auf ihn fiel. Sie wollte ihm gefallen. Wollte, dass er stolz auf sie war. Dass er sah, wie sehr sie zu diesem Zirkus gehĂśrte.
Und Ronaj wusste das.
âWeiterâ, sagt seine Stimme â tief, fordernd, durch das kerzenbeschienene Zelt.
Azula sitzt auf dem Strohboden, Ăźber ihre ausgestreckten Beine gebeugt.
âWeiter geht nicht ââ, flĂźstert sie.
âWeiter!â, wiederholt er.
Seine ledernen Stiefel drĂźcken sich hart gegen ihren RĂźcken.
Die Spannung in ihren Knien schieĂt bis in die Wirbelsäule, heiĂer Schmerz kriecht durch ihre Glieder. Eine Träne läuft Ăźber ihre Wange, still, leise.
Sie sagt nichts.
âGut.â, sagt er dann.
Und das war alles, was zählte.
Doch Ronaj hatte seine eigenen Pläne.
Er wusste, dass der Zirkus nicht ewig bleiben wĂźrde.
Jede Nacht rief er sie zu sich. In sein Zelt. Auf den hĂślzernen Hocker.
Und dann lehrte er sie. Still, methodisch.
Das Lesen. Das Schreiben.
Die Sprachen und Kulturen Eldorias.
Nicht aus GĂźte. Sondern aus Absicht.
Er war streng, aber nie grausam.
Er wusste, was es heiĂt, zu Ăźberleben. Er lehrte sie eine Art von Disziplin, die sie ihr ganzes Leben lang begleiten wĂźrde.
ââââââ âď˝ĄË Ein Tanz aus Glas â.°âââââââ
Bunte Girlanden. Lodernde Fackeln. Sandiger Boden. Azula steht inmitten der Manege â still, aufrecht, geschlossene Augen. Ein Meer hungriger Augen funkelt ihr entgegen, blitzend, gespannt, erwartungsvoll.
Der dumpfe Klang eines Kontrabasses setzt ein. Langsam, pochend wie ein Herzschlag. Azula reiĂt die Augen auf â die Bewegung wie ein Schnitt durchs Licht.
Mit einem Schwung wirft sie die Beine hoch, schlingt sich um das herabhängende Seil aus grauer Seide wie eine Schlange, lautlos und kontrolliert. Die Musik schwillt an, ĂźbertĂśnt alles um sie herum. Ihre Bewegungen sind flieĂend, geschmeidig â wie Fische in einem reiĂenden Fluss, vom Strudel getragen, aber nie verschlungen.
Das Seil wird nach oben gezogen. Azula mit ihm â elegant, als wäre sie schwerelos. In einer weiten Bewegung lässt sie sich kopfĂźber fallen, der KĂśrper gestreckt, nur das FuĂgelenk hält sie im Seil.
Ein Raunen geht durch das Publikum, doch die Musik verschluckt es.
Sie beginnt zu schwingen â die Welt steht Kopf. Ihr Gleichgewichtssinn schlägt Alarm, aber sie hĂśrt nicht hin. Sie hat längst gelernt, Kontrolle Ăźber ihre Sinne zu behalten.
Mit jedem Kreis wird ihre Drehung schneller, die Lichter flirren, Farben verschwimmen. Dann stoppt sie abrupt, wickelt sich geschmeidig aus dem Seil, stĂźrzt herab.
Der Moment der Landung: ein Hauch von Stille.
Ihre Zehen fallen in den Sand. Staub wirbelt auf.
Sie steht. Still. Nur der pochende Bass hält den Takt.
Dann wirbelt sie zurĂźck â ein Ăberschlag, schnell, gefährlich. Haare fliegen, Muskeln spannen sich.
Eins. Zwei. Drei. Vier. FĂźnf Mal schleudert sie rĂźckwärts, jeder Sprung härter als der letzte. Ihre Wirbelsäule biegt sich, dĂźnn wie Glas, fast zu weit â weiter, immer weiter.
Quelle: Pinterest
ââââââ âď˝ĄË Als der Winter brannte â.°âââââââ
Triggerwarnung: Blut, Gewalt, Tod
Der Schnee war frisch gefallen, lautlos, wie ein Versprechen von Frieden.
Azula stapfte durch das weiĂe Unterholz, die Kälte biss ihr in die Finger, aber sie genoss die Stille.
Dann: ein Schrei.
Fern. Menschlich.
Sie blieb stehen. Ein zweiter Schrei, deutlicher. Und dann â Licht.
Als sie sich umdrehte, sah sie es:
Am Horizont, Ăźber den Bäumen â Feuer.
âNein.â
Sie rannte los.
Zweige rissen ihr das Gesicht auf.
Ein Ast schlug ihr ins Bein, sie fiel. Eine klaffende Wunde. Aber keine Zeit. Sie rappelte sich auf, lief weiter.
Die Flammen wurden grĂśĂer. Der Himmel Ăźber dem Zirkus brannte.
Als sie den Waldrand durchbrach, war alles rot und schwarz.
Schreie. Rauch. ZusammenstĂźrzende Zelte.
Sie blieb stehen.
Und sah zu, wie alles, was sie kannte, brannte.
Azula stĂźrzte sich ohne ZĂśgern ins brennende Chaos.
Holz krachte um sie herum, Funken regneten auf ihre Haut. Azula rannte, ohne zu denken. Nur ein Ziel im Kopf:
Ăberlebende finden.
Sie duckte sich unter brennenden Holzsäulen, warf sich durch herabfallende Trßmmer, der Rauch schnitt in ihre Lunge wie Klingen. Hinter ihr stßrzten weitere Träger ein. Ihre Brust bebte. Die Luft war dick, giftig. Tränen brannten ihr ßber das Gesicht, aber sie kämpfte sich weiter vor.
Ein Schrei.
Ein weiteres Zelt kollabierte.
Sie sprang â gerade noch rechtzeitig hindurch.
Dann: ein Lachen. Abartig. Schrill. Falsch.
Azula fuhr herum. Alles drehte sich. Der Rauch stieg ihr zu Kopf.
Dieses Lachen.
Es schnitt durch den Brandgeruch wie ein Messer.
Sie taumelte durch den Qualm.
PlĂśtzlich â eine Silhouette.
Ihr Herz blieb stehen.
Wie ferngesteuert ging sie darauf zu, blind fĂźr Feuer, Rauch, Schmerz.
âOh⌠was haben wir denn hier?â
Eine Stimme, tief und sĂźffisant.
Ein Elf trat aus dem Rauch, mit einem Grinsen, das selbst die Flammen beschmutzte. Gold blitze in seinem Ohr â ein Ohrring.
Das Ohr. VerstĂźmmelt.
Azula erstarrte. Doch nicht vor Angst.
Ein einziges Blinzeln â und sie war wieder dort:
In der KĂźche.
Der Schrei ihrer Mutter.
Das schelmische Lachen.
Und diesmal stand Azula auf.
Diesmal war sie das Tier.
Etwas pochte in ihr, wild, brennend. Ihr Blut wurde zu Feuer.
Sie schrie. Und rannte.
Sie warf sich auf ihn, ein wilder Aufprall. Ihre Fäuste hieben auf sein Gesicht ein, schneller, fester, blutiger. Ihre Nägel rissen ihr die eigene Haut auf, aber sie ist vÜllig taub.
Der Mann fiel, knurrte â doch sie war bereits Ăźber ihm.
Dann â ein harter Schlag.
Er traf sie mitten ins Gesicht.
Sie flog zurĂźck, schlug auf.
Blut.
Dunkelrot tropfte es von ihren Lippen in den Dreck.
Ein Tropfen. Zwei.
Azula spĂźrte nichts.
Nur Zorn.
Sie schrie â ein Schrei wie aus der HĂślle selbst.
Ein pulsierender violetter Strahl barst aus ihren Händen, blendend, gleiĂend. Ihre Augen leuchteten auf.
Der Räuber schrie. Nicht mehr hämisch â
sondern voller Angst.
Sein Schrei wurde zu Wimmern.
Dann: Stille.
Der Strahl erlosch.
Ihre Finger zitterten. Ihre Haut brannte.
Dort lag er.
Verbrannt.
VerstĂźmmelt.
Widerlich.
Doch es reichte ihr nicht.
Sie warf sich wieder auf ihn. Ein Schlag. Noch einer.
Immer weiter.
Sie war ein Tier.
Ein Sturm.
Nichts Menschliches war mehr in ihr.
Sein Gesicht war längst kein Gesicht mehr.
Ihre Hände, rot bis zum Ellbogen. Schlag fßr Schlag, ohne Zurßckhaltung. Blut spritzte ihr in die Augen.
Sie schlug, bis nichts mehr Ăźbrig war.
Dann â Stille.
Azula saĂ regungslos im Schutt, ihre Brust hob und senkte sich.
Der Gestank von Blut und verbranntem Fleisch drang durch die Asche.
PlĂśtzlich â
die Flammen.
Sie holten sie zurĂźck.
Das Adrenalin wich.
Der Schmerz kam.
Sie sackte in die Knie. Hustete, keuchte, rĂśchelte.
Krabbelte ins Freie.
Und fiel.
Der Schnee kĂźhlte ihre Haut wie heilende Finger.
Sie blieb liegen.
Regungslos.
Ob sie in Sicherheit war, war ihr gleich.
Die Flammen knisterten in der Ferne, wie ein Tier, das sich sattgefressen hatte.
Dann wurde alles schwarz.
ââââââ âď˝ĄË Die Asche bleibt. â.°âââââââ
Triggerwarnung: Blut, Gewalt, Tod
Der Rauch war längst verzogen.
Doch der Geruch des Feuers und schwarzer RuĂ klebten in ihren Haaren, auf ihrer Haut, in jeder Bewegung.
Ihr Blick wandert zu einem schwachen Schimmern in der aschigen Erde. Ein Ring. Er sieht alt aus. Er ist blutverkrustet. Sie hebt ihn auf. Mustert ihn. Dreht ihn in ihren Fingern. Er muss dem Räuber gehĂśrt haben. Eine einzige Träne rinnt ihre blutverschmierte, ruĂbefleckte Wange hinunter.
Azula stand mitten im verkohlten Zirkusrund, zwischen schwarzen Holzsplittern und verbogenen Metallstangen. Es war still. So still, dass sie ihren Atem hĂśrte â hastig, flach, als kĂśnnte das Feuer jeden Moment zurĂźckkehren.
In ihren Händen â zitternd â die schwärzliche Spur ihrer eigenen Macht.
Sie erinnerte sich an die Hitze, an das Chaos, an das Zucken der Flammen â
Und an ihn.
Der Räuber. Sie hatte ihn gesehen, wie er lachend inmitten der lodernden Flammen stand.
Da hatte es sich einfach⌠gelÜst.
Das Licht war aus ihren Händen geschossen, wilder als je zuvor. Nicht kontrolliert. Nicht gezielt. Es hatte ihn verschlungen. Und alles um ihn herum gleich mit.
Azula keucht. Ihre Hände sind blutig, aufgeschßrft, ihre Finger verkrampft.
Nicht mit Magie.
Nicht aus der Ferne.
Mit ihren Händen.
Schlag um Schlag.
Selbst als er schon am Boden lag.
Ihre Brust hebt und senkt sich schnell. Ihr Blick zittert.
âIch⌠hab ihn getĂśtet.â
Nicht aus Mut. Nicht aus Not. Aus etwas, das in ihr war.
Dunkel. Laut. Unkontrollierbar.
Sie taumelt zurĂźck. Die Welt verschwimmt. Ihre Hände zittern. Sie will sie abwaschen â doch da ist kein Wasser.
Nur Blut.
Und das Wissen:
Sie hat es getan. Und doch fĂźhlt sie keinen Tropfen Genugtuung.
Und alles was sie kannte war fort.
âAlle totâŚâ, flĂźsterte sie. Ihre Stimme war heiser.
Sie blickte auf ihre Hände, suchte darin etwas Menschliches, etwas Reines. Da war nichts. Nur RuĂ, und die Erinnerung an Hitze und sengendem Schmerz.
Ihr Vater. Ihre Mutter. Ronaj. Die Zirkusleute.
So viele verschwundene Gesichter. Jedes Gesicht, das sie geliebt hatte, war nun Asche. Und sie â sie stand wieder einmal in der Mitte. Unversehrt.
Sie blickt auf ihre blutverschmierten Hände â fremd. Unmenschlich.
âWarum⌠.â
Es war kein Trotz in der Frage, nur Leere.
Ein kalter Wind fuhr durch das Wrack.
Sie senkte den Blick.
Mit einer Bewegung riss sie sich den verbrannten Stoff vom Arm, als kÜnnte sie die Schuld abschälen. Doch sie klebte an ihr. Wie das Blut des Räubers. Wie der Rauch. Wie der Tod.
Jeder, den ich liebe, stirbt.
Und ich bleibe Ăźbrig. Immer.
Sie ballte die Hände, spĂźrte, wie in ihrer Brust etwas brodelte â heiĂ und schwer. Kein Feuer mehr. Nur die Ahnung davon.
Wie ein Fluch.
ââââââ âď˝ĄË Ein FlĂźstern aus Gold â.°âââââââ
Alles ist gedämpft.
Ein hohes Piepen fĂźllt Azulas Kopf, als wĂźrde die Welt von innen heraus summen. Ihre Gedanken â zerfasert, bruchstĂźckhaft. Ihre Beine tragen sie irgendwie, doch sie weiĂ nicht wohin.
Azula taumelt durch Nebel. Nicht den in der Luft â sondern in ihrem Kopf.
Jeder Schritt schwer. Ein stummes DrĂśhnen in der Brust.
Die Welt ist weit weg. Die Welt flackert.
Farblos. Leise.
Der Regen hat sie längst durchnässt, aber sie fßhlt ihn nicht.
Ihre Kleidung klebt an ihr wie Schuld. Jede Bewegung ein fremder Reflex. Sie stolpert. Die nassen Steine unter ihren FĂźĂen rutschen.
Ihre Sicht verschwimmt.
Sie blinzelt, merkt kaum, dass sie weint.
Oder dass ihre Lippen blutig sind vom ZusammenbeiĂen.
Irgendwann: ein schwaches Licht.
Eine kleine Kapelle, verborgen am Wegesrand.
Sie taumelt darauf zu, stĂśĂt die TĂźr auf.
Trocken. Leer.
Azula fällt auf die Knie, hart, schwer, ohne jede Kontrolle.
Die Fliesen unter ihr kalt, wie ein Urteil. Sie bleibt dort, regungslos.
Zitternd. Leer.
Dann passiert es.
Ganz leise.
Ein kaum wahrnehmbares Zittern in ihrer Brust.
Ein einzelner, zittriger Atemzug ringt sich durch ihre Kehle.
Es beginnt nicht mit einem Schrei. Nicht mit einer Träne.
Sondern mit einem Brennen â im Bauch, in der Kehle, in den Augen.
Wie eine Flut, die sich jahrelang gestaut hat, die nun, ganz plĂśtzlich, das erste Leck findet.
Ein Zittern durchfährt sie.
Ihre Finger klammern sich verzweifelt an den Stoff vor ihrer Brust.
Wut, Trauer, Verlust, Einsamkeit, Ekel vor sich selbst â
alles stĂźrzt gleichzeitig Ăźber sie herein.
Keine Ordnung. Kein Entkommen.
Ein einziger, wĂźrgender Laut entweicht ihr.
Dann noch einer.
Dann bricht sie.
Ihr KĂśrper krĂźmmt sich nach vorn,
Schultern beben,
der Atem stockt,
und schlieĂlich â
kommt der Strom der Tränen.
Nicht weich. Nicht schĂśn. Sondern roh, laut, zitternd â
wie das Weinen eines Kindes, das vergessen wurde.
Hitze steigt ihr in den Hals, in die Augen, in den RĂźcken.
Alle GefĂźhle, die sie so lange festgehalten hat, brechen Ăźber sie herein.
Angst, Schuld, Schmerz, Sehnsucht.
Nicht nacheinander â alle gleichzeitig.
Sie klammern sich an sie, zerreiĂen sie von innen.
Und bald ist sie nichts weiter als ein bebendes Wesen auf den Knien.
Sie weint, bis sie glaubt, dass ihr Herz zerspringt.
Und als keine Tränen mehr ßbrig sind, bleibt nur:
Stille.
Eine leere, warme Stille. Wie ein Mantel, der ihr sanft umgelegt wird.
Azula atmet zitternd ein.
Dann wieder aus.
Langsam hebt sie den Kopf.
Vor ihr â der Altar. Schlicht. Und doch wĂźrdevoll geschmĂźckt mit TĂźchern, Blumen, und darĂźber:
ein goldenes Kreuz,
ruhig glänzend im schwachen Licht.
Kein rettender Engel. Kein Lichtstrahl.
Nur ein stilles, warmes Leuchten,
als wĂźrde es sagen:
âIch habe dich gesehen.â
Azula starrt es an.
Und zum ersten Mal seit langem, spĂźrt sie:
Sie lebt noch.
Und das bedeutet etwas.
ââââââ âď˝ĄË Wenn die Nacht singt â.°âââââââ
In den darauffolgenden Jahren wurde Azula zur rastlosen Reisenden, getrieben von einer inneren Unruhe, die sie selbst kaum benennen konnte â vielleicht Sehnsucht, vielleicht Flucht.
Eldoria lag ihr zu FĂźĂen: fremde Städte, uralte Wälder, staubige Gebirgspfade, laute Märkte, vergängliche Begegnungen. Doch Umherziehen allein fĂźllte keinen Magen. Und so brauchte auch sie, wie alle, MĂźnzen.
Sie begann, sich das Spiel auf der Laute beizubringen. Anfangs klangen ihre Finger unbeholfen, doch bald lernten sie zu tanzen. Die Laute â bunt verziert mit elfischen Runen und BlĂźtenranken â wurde ihr steter Begleiter. Mit ihr fand Azula eine Sprache, in der sie sprechen konnte, ohne je etwas auszusprechen.
Bald sang sie. Erst flĂźsternd, dann voll, mit einer Stimme, die Licht und Dunkel zugleich war. Ihre Lieder waren wundersam, ihre Melodien durchzogen von Schmerz und Glanz, von etwas, das niemand greifen konnte.
Azulas Stimme besitzt eine seltene, fast unheimliche SchĂśnheit. Sie ist sanft wie fallender Schnee und doch tief wie ein stiller See bei Nacht. In ihr schwingt etwas Altes mit, eine Art verlorene Sehnsucht.
Sie erzählte von Feuer und Asche, von einem verlorenen Kind und einem Heim, das nie wiederkehrte â doch niemand ahnte, dass es ihre eigene Geschichte war. Die Menschen hĂśrten zu, gebannt, ohne zu wissen, dass sie gerade Wahrheit vernahmen.
Und Azula lernte. Von Pfaden, Menschen, Orks, Zwergen, dem Land â und von sich selbst. In stillen Nächten, in gefährlichen Momenten, regte sich etwas in ihr: die Magie.
ZĂśgerlich, ungebändigt. Noch immer hallte der Tod des Räubers in ihrer Erinnerung nach. Doch neben der Furcht kam Faszination. Denn was in ihr lebte, war keine gewĂśhnliche Gabe. Es war Blutmagie. Finstere Zauberei. Verboten. GefĂźrchtet. VerstoĂen.
Trotzdem begann sie, sie zu erforschen â vorsichtig, aber unbeirrt.
Sie ist kein Lehrling, kein Meister â sie ist ein Rätsel, das sich selbst entwirrt.
Und so streifte sie durch das mystische Land. Bis sie eines Abends am Hafen Thyma Doreis stand.
ââââââ âď˝ĄË Farone Durwen â.°âââââââ
Hinweis:
Dieser Abschnitt Ăźberschneidet sich mit der Charaktervorstellung von Farone Durwen (PandoraSumpf887).
Es war ein recht sonniger Tag als Azula aus ihrem Haus schritt. Ein sĂźĂlicher, zimtiger Duft wehte ihr in die Nase. Ihr Herz schien fĂźr einen Moment stillzustehen, sie erstarrte vĂśllig, als ihr ein kalter Schauer Ăźber den RĂźcken lief. Dieser Duft. Erinnerungen Ăźberschwemmten sie. Azula war wieder ein Kind, ein kleines Mädchen in der KĂźche bei ihrer Mutter. Dieselbe liebliche Note lag in der Luft, der warme, beruhigende Geruch von frischem Gebäck.
âNimm dir ruhig was, Schatzâ, ertĂśnte die sanfte Stimme ihrer Mutter. Ein wohliges GefĂźhl breitete sich in ihrem Bauch aus â ein GefĂźhl, nach dem sie sich seit Jahren gesehnt hatte, das immerzu entglitten war wie feiner Sand zwischen den Fingern.
Azula riss die Augen auf, das Hier und Jetzt kehrte zurĂźck, und mit ihm der brennende Drang, die Quelle dieses Geruchs zu finden. Sie stĂźrmte auf die StraĂe, ihr Herz klopfte wild, ihre Gedanken jagten durcheinander. Wie von einem unsichtbaren Seil gezogen, folgte sie dem Duft, rannte durch die Gassen, keuchend, bis sie plĂśtzlich vor der kleinen Bäckerei in Thyma Dorei stand.
ZÜgernd trat sie ein, versuchte das wilde Chaos in sich hinunterzuschlucken. Sie stand nun vor einer Theke, ihre Hände leicht zitternd, doch ihre Stimme klang ruhig wie immer, ohne jeden Anschein des Sturms, der in ihrem Inneren tobte.
âDas duftet herrlichâ, sagte sie.
Und in dem Moment, als ihre Worte die Stille durchbrachen, wurde es auch in ihr ruhig. Fast magisch. Vor ihr stand eine Elfe mit rot-braunen, gelockten Haaren, deren Augen in einem warmen Bernstein leuchteten. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen â ein Lächeln so warm wie die Sonne, dass es fĂźr einen Augenblick all die Dunkelheit in Azula fortzuwischen schien.
Farone und Azula fanden langsam zueinander wie zwei FlĂźsse, die sich behutsam miteinander verweben.
Azula kam immer wieder in Farones Backstube, zunächst oft still an der Theke stehend, wortkarg, aber aufmerksam.
Ihre Freundschaft wuchs aus ihren Gegensätzen: Farones leidenschaftliches Feuer fand in Azulas ruhiger Tiefe Ausgleich. Wo Farone impulsiv war, war Azula bedacht und gelassen. Diese Balance gab Azula Halt und Vertrauen, sodass sie Stßck fßr Stßck mehr von sich zeigte.
Nach und nach entstand eine gemeinsame Sprache â ohne viele Worte, aber mit tiefem Verständnis. Sie wurden fĂźreinander ein sicherer Hafen, eine Verbindung ohne Erwartungen oder Verpflichtungen.
Azula spĂźrte, dass Farone half, diese gewisse Leere zu fĂźllen, die sie in sich trug. Nicht durch groĂe Gesten, sondern durch beständige, verlässliche Anwesenheit. Farone war nicht nur eine Freundin â sie war ein Anker. Und in ihrer Nähe fand Azula das GefĂźhl von Zuhause, nach dem sie lange gesucht hatte.
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Bei Verbesserungsvorschlägen oder Anmerkungen schreibt mich gerne an ~~
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