Elarya Velaryth

Rückkehr nach Dohaeragon

Rückkehr nach Dohaeragon

Fast ein Mond war vergangen, als Elarya – im Verborgenen Rhaenyra Aelasar – den Pfad der Ahnen zurück in das alte Herz ihres Volkes beschritt. Die Türme Dohaeragons ragten nicht mehr in den Himmel wie einst; sie lagen gebrochen im Staub der Geschichte. Und doch… atmete die Erde dort noch immer Feuer und Erinnerung.

Vor der jungen Valysar Rhaella, ihrer Nichte, beugte Elarya das Knie.
"Na naur gîn melme aethaeryn nauthar, Ailarya erin naur vîn,“ sprach sie, und senkte den Blick, so wie es die uralte Etikette verlangte.

Sie wandelte durch die Ruinen der Hauptstadt, durch verlassene Hallen, in denen ihre Kindheit in leisen Echos widerhallte. Im zerborstenen Schloss fand sie noch einzelne Habseligkeiten – Scherben einer vergangenen Pracht – die, wenn sie behutsam in Hände gelegt würden, wieder erstrahlen konnten.

Im Drachentempel, dessen Mauern als einzige den Flammen der Zeit getrotzt hatten, verharrte sie lange. Die Säulen standen noch, die Reliefs waren nur vom Alter gezeichnet, nicht vom Feuer verzehrt. Dort kniete sie im Schatten der steinernen Drachenflügel und flüsterte Gebete in der alten Sprache: für die Gefallenen, für die Lebenden… und für die, deren Schicksal noch ungeschrieben war.

Doch das größte Geschenk dieser Reise war kein Artefakt aus Stein oder Gold – es war das Wiedersehen mit ihren Kindern.

Als Viserra und Lucerys den Hof betraten, hielt die Zeit den Atem an. Die Jahre der Trennung schmolzen in einem Herzschlag dahin. Viserra – dreizehn Sommer, mit einem Blick, der den Mut der Mutter spiegelte – stürmte zuerst voran. Ihre Arme legten sich wie glühende Fesseln um Elaryas Taille, und ein leises, gebrochenes „Thêl…“ entwich ihren Lippen.

„Nauril aeneth“ hauchte Elarya, beugte sich tief, barg das Gesicht ihrer Tochter an ihrem Hals und sog den vertrauten Duft von Salz, Metall und Sommerwind ein.

Lucerys trat langsamer, doch seine Augen verrieten, wie sehr er sich zurückgehalten hatte. Neunzehn Winter hatten aus dem Kind einen jungen Drachen geformt. Elarya streckte ihm die Hand entgegen – und er nahm sie, fest, beinahe trotzig, als wolle er schwören, nie wieder loszulassen.
„Tûr erin anor. Nîn garan gîneth, naur erin sîlthar nîn,“ flüsterte sie, ihre Stimme bebte wie das Licht im Drachentempel.

„Kommt,“ hatte Elarya schließlich gesagt, die Stimme sanft wie fließendes Wasser und doch fest wie ein Schwertgriff, „der Hort, den ich baue, wird eure Zuflucht sein. Dort, im Refugium, wird kein Schatten euch berühren.“
„Lûthan erin gârth nîn, erin maneth melme nîn gar gîneth syrel erin goth gwathren.“

So führte sie ihre Kinder zurück nach Thur’Valarys – ein sicherer Hafen unter ihrem eigenen Dach. Rhaella, die Valysar, hörte nur von der Hüterin Elarya, die die jungen Drachenelfen bei sich aufnehmen wollte. Dass Hüterin und Prinzessin ein und dieselbe waren, blieb das unausgesprochene Geheimnis im Spiel der Masken, das sie seit Jahren meisterte.

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