Aufruf: Die Tyrannei hackt Hände

Somsom war auf dem Weg zurück vom Fest der Insel, welche er für sehr schön empfand. Auf dem Weg schrieb er einen Aufruf an Eldorias Städte, da ihn die Tyrannei und Machtgier Askariens nicht aus dem Kopf ging. Diesen Aufruf hängt er ans Schwarze Brett

Bürgerinnen und Bürger Eldorias!

Ihr sollt wissen: Tyrannei ist kein einziges Gesicht. Sie kleidet sich in Kronen und in Bündnisse, in Versprechen und Pracht — und doch bleibt ihr Wesen das gleiche: Sie nimmt, wo sie geben sollte, und herrscht, wo sie dienen sollte.

Krárvalo hat einst das Geburtsrecht zerschlagen. Wir haben unsere Königssitze gegen Versammlungen getauscht, unsere Kronen gegen die Stimmen unseres Volkes. Aus dem Staub der Umwälzung entstand eine Ordnung, die nicht auf Furcht gebaut ist, sondern auf Verantwortung — auf dem Willen freier Zwerge, gemeinsam zu entscheiden, wie sie leben wollen.

Seht hin: Wo Obsidianthrone errichtet und Köpfe zur Abschreckung aufgespießt werden, dort wächst die Saat der Furcht — und mit ihr die Gefahr, dass Freiheit in Ketten gelegt wird. Ein Reich, das seine Macht mit Terror sichert, mag stark aussehen; doch seine Stärke ist Schein. Die wahre Macht bleibt beim Volk, das redet, denkt, und — wenn nötig — widersteht.

Darum rufe ich euch auf, Städte Eldorias:

Wacht über eure Chroniken und eure Schulen. Bewahrt die Wahrheit in Büchern und Reden. Lasst nicht zu, dass die Geschichte zu einem Werkzeug der Herrschaft verkommt.
Verteidigt eure Gesetze — nicht aus Starrheit, sondern aus Liebe zur Gerechtigkeit. Prüft Führer an ihren Taten, nicht an ihren Titeln. Fordert Rechenschaft, wo Macht sich verschließt.
Unterstützt die, die mutig sprechen; schützt jene, die unbequeme Fragen stellen. Die Stimme des Einzelnen ist schwach — die Stimme der Vielen ist unüberhörbar.

Dies ist kein Aufruf zum blindwütigen Aufruhr, sondern zur Wachsamkeit; kein Befehl zur Zerstörung, sondern zum Erhalt. Denn was wir bewahren wollen, ist nicht Macht um der Macht willen, sondern die Würde eines jeden unter dem Gesetz und im Licht der Wahrheit.

Solltet ihr dennoch mit Tyrannei konfrontiert werden: erinnert euch an Krárvalo. Die Hallen, die einst eine garstige Königin hielten, lehrten uns, dass Herrschaft nur so lange besteht, wie sie gerecht ist. Wenn Gerechtigkeit vergeht, wird Widerstand zur Pflicht — nicht aus Hass, sondern aus Treue zur Freiheit.

Möge Eldoria niemals schweigen. Mögen unsere Kinder lesen, was wir taten, und daraus Mut schöpfen.


Somsom Fengel Shim Ringli
Nekrávas Oberster Priester

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Harald war gerade dabei zum Hafen zu gehen, Xantia nach einigen Handelsgesprächen wieder zu verlassen, als er am schwarzen Brett vorbeiging und das Gewäsch des Zwerges las. Als er damit fertig war, sich zu belustigen, notierte er fix eine Nachricht, heftete sie darunter an und verzierte sie noch mit seinem Sigel.

Eine Warnung? Eine Warnung wovor? Das Askarien die Köpfe von Dieben auf Spieße steckt, anders als sie auf ihren Thron zu setzen, wie Krárvalo es einst tat?
Aber gut, von dieser Tyrannei haben sie sich befreit.
Wäre doch aber Krárvalo damit selbst sehr gut aufgehoben im Bunde Askariens, ein Bund, der sich gemeinsam erhebt gegen Tyrannei, sich jüngst befreite aus dieser selbst.
War es doch Sølvøya, welches selbst lang genug unter der Tyrannei einer fremden Macht litt, welche uns versuchte einzusperren, welche Mauern um uns herum errichtete und Soldaten vor unsere Tore stellte, am Ende doch aber selbst an ihrer Hybris erstickte.
War es doch Liannon, welche uns zum Beitritt ersuchten. Nicht erobert von „Tyrannen,“ sondern Beigetreten aus Sorge um ihre Freiheit, welche von fremden Tyrannen bedroht wurde und Askarien nun garantiert.

Unsere Krone ist kein Symbol der Tyrannei. Sie ward vergeben durch die Volksversammlung an einen würdigen Anführer, als wir vertrieben und zerschlagen von Tyrannen in der neuen Welt strandeten.

Doch wer seid ihr, dass ihr urteilt und „warnt?“ Ihr, der ihn nicht kennt, ihr, der nicht an seiner Seite gekämpft habt, für die Freiheit seines Volkes, die ihn erwählten.

Askarien ist kein Konstrukt der Tyrannei, es ist ein Bund der Freiheit. Freiheit bedroht von fremden Tyrannen, welche Lügen und „warnen,“ und damit hetzen und spalten.
Die einzigen, die in Askarien eine Bedrohung sehen, sind die Tyrannen, die es wie schon davor zerschlagen sehen wollten, weil es ihr Konstrukt aus Lüge und Tyrannei bedroht.

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BEKANNTMACHUNG DER STADT HOHENFELS

(An das Schwarze Brett zu Xantia geschlagen, als Zeugnis und Warnung an alle, die lesen können.)

Es ist vernommen worden, dass ein gewisser Somsom Fengel Shim Ringli — selbsternannter Priester aus den Stollen Nekrávas — ein Pamphlet an dieses Brett heftete, voller hohler Reden von „Freiheit“, „Würde“ und „Wachsamkeit“. Solche Worte mögen in staubigen Hallen und bei schwachem Metwohlklingen attraktiv erscheinen; sie sind jedoch Gift für jede Gemeinschaft, die unter dem Schutz des Kreuzes steht.

Lasset es daher klar und unmissverständlich heißen:

Zu den leeren Drohungen des Priesters Somsom.
DerAufruf ist nichts als aufgeblasene Rhetorik, aufgefächert wie ein altes Tuch, um Risse in der Treue der Völker zu verbergen. Diejenigen, die von „Tyrannei“ schwafeln, stellen sich gerne als Hüter des Guten dar — doch in Wahrheit pflanzen sie Unruhe, säen Zweifel und versuchen, geordnete Gesellschaften zu entzweien. Hohenfels erkennt solche Unruhen beim Namen: es sind Versuche, die göttlich gegebene Ordnung zu untergraben, und sie werden nicht unbeantwortet bleiben.

Zur Natur der Ordnung.
Ordnung ist kein Gefängnis für den Willen, sie ist das Geländer, an dem tugendhafte Menschen sicher schreiten. Wo Banden des Aufruhrs und der Zwietracht auftreten, da nimmt das Chaos Gestalt an. Wer meint, das Volk lehrte allein mit Worten, unterschätzt die Pflicht der Mächtigen, das Gemeinwohl mit festem Griff zu schützen. Wir sind nicht stolz auf Macht um der Macht willen — sondern auf die Pflicht, das Licht des Glaubens zu bewahren, selbst gegen jene, die in finsteren Gängen die Flammen der Zwietracht schüren.

Hohenfels steht im Licht, und das Kreuz bleibt ungebrochen.
Möge Xantia die Worte hören, nicht als Drohung, sondern als Spiegel der Wahrheit.

Dieses Schreiben ist keine schrille Rhetorik eines einzelnen; es ist der Ausdruck des Willens Hohenfels’, geschützt zu bleiben gegen List, Verblendung und Zwietracht. Hohenfels ruft zur Besonnenheit auf, zur Wachsamkeit und zur Standhaftigkeit im Glauben. Sprecht, wenn es die Pflicht erfordert — aber wisset, dass schlechte Saat nicht mit mildem Wetter geduldet wird.

Gezeichnet und verfügt durch die Autorität der Tempelritter und des Rates von Hohenfels.

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